Posts Tagged ‘Martin Luther’

Das Kreuz ist das Tor zum Himmel

Das Kreuz ist wohl das am meisten gebrauchte Symbol für den christlichen Glauben  – und das aus gutem Grund: Während bis heute, auch und gerade religiöse Menschen, das Kreuz (beziehungsweise den gekreuzigten Christus) als ein abstoßendes Ärgernis empfinden (siehe auch 1Kor 1,23; Gal 5,11), war und ist es für Christen das Tor zum Himmel. Im Lukasevangelium wird uns berichtet, dass der Vorhang im Tempel, der ein Bild für den Zugang zu Gott ist, bei der Kreuzigung Jesu zerriss (Lk 23,44–46). Im Hebräerbrief wird erläutert, dass der (alttestamentliche) Tempel ein „irdisches“ Abbild „himmlischer“ Dinge ist (vergleiche dazu Hebr 8,5 und 9,24). In Hebr 10,20 wird dieser Vorhang mit dem Leib Jesu gleichgesetzt: Der gekreuzigte Christus eröffnet den Zugang zu Gott, und wer durch das Opfer Christi am Kreuz mit Gott versöhnt ist, kann freimütig vor Gott treten.

So steht beispielsweise auch in dem Siegel, das Martin Luther ab 1530 für seine Briefe verwendete, das Kreuz im Mittelpunkt, und von dort aus entfaltet sich das ganze Christenleben. In einem Brief vom 8. Juli 1530 schrieb Luther an Lazarus Spengler, dieses Siegel, die so genannte Lutherrose, sei

„ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erst sollt ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seinenatürliche Farbe hätte, damit ich mir selbs Erinnerung gäbe, daß der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Ob’s nun wohl ein schwarz Kreuz ist, mortifizieret und soll auch wehe tun, dennoch läßt es das Herz in seiner Farbe, verderbt die Natur nicht, das ist, es tötet nicht, sondern erhält lebendig … Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rosen stehen, anzuzeigen, daß der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, daß solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig, jetzt wohl schon drinnen begriffen und durch Hoffnung gefasset, aber noch nicht offenbar. Und in solch Feld einen goldenen Ring, daß solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“

Zitiert nach Wikipedia.

Klarheit der Heiligen Schrift oder neuzeitliche Subjektivität

Einst fragte ein Student den alten Karl Barth, wann man denn seine Kirchliche Dogmatik verstanden habe und bekam zur Antwort: „Ver-standen haben Sie sie erst dann, wenn Sie dort stehen, wo sie entstanden ist.“ Das Verstehen ist demnach nicht unabhängig vom eigenen Standort. Mehr noch: Die je eigene Verortung bestimmt auch, was sich von der Umgebung dem Blick des Beobachters öffnet, welche Horizonte ihm sichtbar werden: Die Frage nach den Offensichtlichkeiten, den Evidenzen deutet sich an.

Szenenwechsel zu einer anderen Standortbestimmung: Unter Lebensgefahr zu seiner Theologie befragt, ruft Luther auf dem Reichstag zu Worms aus: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ An welchem Ort befindet sich Luther hier? Was ist es, das ihm den Ortswechsel „nach Rom“ unmöglich macht? Die theologiegeschichtliche Vereinnahmungsmaschinerie des Neuprotestantismus hat hier rasch und diskret entschieden und durch ihre Verortung mit einem Streich – gleichsam in einem Akt intelligibler Landnahme – einen erheblichen Raumgewinn für sich erzielen können. Indem sie Luthers Gewissensreservat in Worms als einen heroischen Akt neuzeitlicher Subjektivität gegen das Auslegungsprimat der kirchlichen Tradition deutete, konnte sie das ganze Reich der Reformation zu ihrer Einflusssphäre erklären.

Doch ist das wirklich der Ort, an dem Luther steht? Ist das Vertrauen auf die eigene theologische Urteilskraft, die Überzeugung, den Text besser ausgelegt zu haben als die gesamte theologische Tradition vor ihm der Auslöser, der „Ort“ der Gewissheit des Reformators? Gute Gründe sprechen dafür. Der entscheidende Satz in Worms lautet: „Es sei denn, dass ich durch Zugnisse der Schrift oder durch klare Gründe der Vernunft [kursiv, MK] überführt werde …, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten Schriftstellen und ist mein Gewissen gefangen in Gottes Wort.“ Wenn auch der Rekurs auf das Wort Gottes als Argumentationsgrund numerisch deutlich überwiegt, so ist doch die Deutung Ecks mehr als nachvollziehbar, wenn er Luther im Anschluss an die Leipziger Disputation genau das vorwirft, was ihm die liberale Theologie später als das große Verdienst anrechnen wird: „Das klingt nicht gut unter Christen, dass einer sich anmaßt, rein aus eigenem Verstand den Sinn der Heiligen Schrift besser zu kennen als die heiligen Väter miteinander.“ Entscheidend ist nun aber, dass sich Luther in dieser Situationsbeschreibung Ecks nicht recht wiedergegeben fühlt, denn nicht auf die Auslegung „nach eigener Vernunft“ kommt es ihm an, sondern: „Wo ich einen klaren Text [kursiv, MK] hätte, würde ich dabei bleiben, auch wenn die Auslegung der Väter dagegen stünde.“

Der Anhaltspunkt der Gewissheit ist für Luther nicht die eigene Subjektivität bzw. deren Auslegungskraft, sondern der „klare Text“ der Schrift. Nicht das bildet die Grundlage eines Standpunktes, was sich vor der Vernunft als anschlussfähig an bisherige Erkenntnis, als analogiefähig erweist, sondern die Heilige Schrift selbst ist die Grundlage, ist der Ort des Stehens und Ver-stehens, der Ort des Evidenten und der Klarheit, weil sie mich klärt, d. h. mich mir in ihrem Licht erst zu erkennen gibt. Sie leuchtet mir ein, indem sie mich erleuchtet.

Der Vernunft ist hier ein rezeptiv-vernehmendes Organ, sie vernimmt das im Text Gemeinte, will Fenster sein, durch welches das Licht des biblischen Wortes das menschliche Bewusstsein durchflutet. Die Rede vom „eigenen“ Verstand, also gerade der Rückzug auf die individuelle Subjektivität würde verdunkeln worum es Luther geht: Der Text ist hell, nicht die menschliche Vernunft!

Ein solcher Grundsatz, wie ihn Luther in Worms vertrat, wirkte damals wie heute in höchstem Maße sperrig und befremdlich und verdient nähere Untersuchung …

Diese Zeilen stammen aus dem ausgezeichneten Buch Martin Luther als Ausleger der Heiligen Schrift von Mathias Kürschner. Diese Büchlein bietet auf nur 60 Seiten und für nur 5 Euro (inkl. Versand) einen wertvollen Beitrag zum Thema Schriftverständnis und Bibelauslegung. Ich kann es nur sehr empfehlen – insbesondere, da dieses Schriftverständnis (gerade unter Evangelikalen) heute weitgehend verloren bzw. unbekannt ist und so vieles im Dunkeln liegt!

Luther – Calvin – Melanchton

Wer einmal einen Einblick in das theologische Denken der bekanntesten Reformatoren bekommen und ungern viel lesen möchte, der hat mit diesem recht gelungenen Hörbuch die Gelegenheit dazu:

Martin Luther, Johannes Calvin und Philipp Melanchthon sind drei der wichtigsten Reformatoren. In diesem Hörbuch werden sie jeweils mit einer zentralen theologischen Schrift porträtiert. Die Texte werden umfassend erläutert und in ihren problemgeschichtlichen Kontext gestellt. Der Hörer erhält damit einen Einblick in die zentralen theologischen Fragen und Probleme reformatorischen Denkens.Mit Martin Luther, Johannes Calvin und Philipp Melanchthon werden in diesem Hörbuch drei der wichtigsten Reformatoren anhand ihrer zentralen Schriften porträtiert. Die vorgestellten Texte haben die Entwicklung des theologischen Denkens entscheidend mitbestimmt und gehören deshalb zu den Schlüsselwerken der protestantischen Theologiegeschichte. Ihre Kenntnis ist darüber hinaus auch für das Verständnis der gegenwärtigen theologischen Debatten unerlässlich.

Jede der drei vorgestellten Schriften (Luther: De servo arbitrio / Calvin: Institutio Christianae Religionis / Melanchthon: Loci communes) wird umfassend kommentiert und erläutert: Die Autoren stellen die Texte in ihren jeweiligen problemgeschichtlichen Kontext, erörtern die Stellung des Werkes in der Entwicklung des Autors, informieren über Inhalt und Aufbau der Schrift und beleuchten dessen Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte.

Mehr dazu bei Amazon.

Die Reformation, die Deutschen und Johannes Calvin (aktualisiert)

Dr. Victor d’Assonville, Dozent für Kirchengeschichte und systematische Theologie an der Akademie für reformatorische Theologie, hat in einer kleinen Vortragsreihe zu Martin Luther und  Johannes Calvin mit dem Titel „Die Reformation, die Deutschen und Calvin“ in der Zeitschrift Bekennende Kirche mittlerweile den sechsten Teil veröffentlicht. Die Vorträge stehen als PDF und als mp3-Lesung zur Verfügung:

  1. Luther und Calvin – Einleitung (PDF | mp3)
     
  2. Luther und Calvin – Ein respektvolles Verhältnis (PDF | mp3)
     
  3. Luther und Calvin – Gemeinsamkeiten und Unterschiede (PDF | mp3)
     
  4. Luther und Calvin – Zwei Reformatoren, eine Reformation (PDF | mp3)
     
  5. Musste Reformation sein? (PDF | mp3)
     
  6. Martin Bucer – ein väterlicher Freund Calvins (PDF)

Calvin College Bilbliothek

Daniel Dangendorf hat in seinem Blog auf die Online-Bibliothek des Calvin College hingewiesen. Dort stehen mittlerweile viele Schriften von Martin Luther, Johannes Calvin, Philipp Melanchton und vielen anderen zum Download bereit. Darüberhinaus finden sich Werke zahlreicher Autoren der Reformation, aber auch der Patristik und der Philosophie, Bekenntnisschriften, Bibeln uvm. Die Dateien stehen weitgehend im PDF-Format zur Verfügung. Zur Übersicht in der Online-Bibliothek geht es hier: Hekman Library

Was Glaube ist

Der Glaube ist nicht eine Beschaffenheit am Geiste, das heißt ein Gedanke; denn wie groß dieser auch immer sein mag, gilt er doch nichts an sich selbst. Sondern das ist der Glaube, der Christus in sich begreift und Christus ergreift. Außer Paulus gibt es diese Theologie nicht.

Martin Luther, Tischreden WA 3175

Martin Luther Film

Am Sonntag (30.5.) um 15.00 Uhr zeigt BibelTV einen echten Klassiker: Die schwarz-weiß Luther-Verfilmung mit Niall MacGinnis.

Luther (Niall MacGinnis) tritt in Erfurt dem Augustinerorden bei. Seine bohrenden Fragen kann er jedoch weder dort noch auf einer Pilgerfahrt nach Rom lösen. Erst viel später, als Professor der Theologie in Wittenberg, findet er im Studium der Bibel den erlösenden Gedanken der Gerechtigkeit vor Gott durch den Glauben. Dort beginnt auch sein Widerstand gegen die Missbräuche der Kirche seiner Zeit.

Der Film kann auch als DVD erworben werden: scm-shop.de

Vorsicht: Verwechselungsgefahr!

Kürzlich wurden nach einem Gottesdienst 120 Hefte des Magazins „Playboy“ an die rund 400 Besucher verteilt. Die Veranstaltung wollte zu einem unverkrampften Umgang mit der Sexualität ermutigen. Auf die Idee mit der Mitgift kamen Nichtchristen, die an der Veranstaltung mitwirkten. Von den Verantwortlichen wurde diese Anregung „gerne aufgegriffen“, denn man will ja kirchendistanzierte Menschen erreichen. Eine Person habe sich dann auch zu einem Glaubenskurs angemeldet. Doch wenn mit Pornoheften für das Seelenheil geworben wird, muss doch etwas Grundsätzliches verwechselt worden sein?

Neil Postman schrieb in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ über einen Fernsehauftritt von Billy Graham:

„Hochwürden Graham und Burns witzelten über die Vorbereitung für die Reise ins Jenseits. Obwohl in der Bibel nichts davon steht, versicherte Graham den Zuschauern, Gott liebe jene, die andere zum Lachen bringen. Ein verzeihlicher Irrtum. Er hatte lediglich den lieben Gott mit NBC verwechselt. (1)

Diese Verwechselungen kommen offenbar häufiger vor als man denkt. So tönte es jüngst von dem etwas verregneten Ökumenischen Kirchentag in München: „… feiert, lacht und singt, damit ihr Hoffnung habt“. Nichts gegen Feiern, Singen und Lachen, aber zur Begründung christlicher Hoffnung, ist das doch etwas dünn. Auch die Kommentatoren der taz suchten in den Strophen verzweifet nach einem religiösen Inhalt. Scheinbar wurde auch hier etwas verwechselt.

In einem christlichen Jugendmagazin wurden die Leser jüngst aufgerufen, „hörendes Gebet“ zu praktizieren. Dabei soll Gottes Gegenwart in der Stille gespürt werden, damit Gott dort in vielfältiger Weise in und zu uns spricht. Begründet wird dieses Vorgehen mit reichlich Bibelstellen, in denen ich nicht zu finden vermag, was drin stehen soll, und einem Lutherzitat, das seltsamerweise gerade um die Worte gekürzt wurde, die den Inhalt in ein ganz anderes Licht stellen. Wieder eine Verwechselung?

Ein letztes Beispiel: Vor ziemlich genau 76 Jahren fand Ende Mai 1934 in Barmen eine Synode angesichts einer Verwechselung statt, die wegen ihrer unermesslich schrecklichen Folgen uns als unumstößliche Mahnung beständig vor Augen stehen sollte. Der Theologe Emanuel Hirsch schrieb ein Jahr zuvor in beängstigender Naivität:

Kein einziges Volk der Welt hat so wie das unsere einen Staatsmann, dem es so ernst um das Christliche ist; als Adolf Hitler am 1. Mai seine große Rede mit einem Gebet schloß, hat die ganze Welt die wunderbare Aufrichtigkeit darin gespürt. (2)

Was man nicht so alles spüren kann? Jedenfalls gab es einige wenige Kirchenleute, die die Situation anders beurteilten. In Artikel 1 der Erklärung der Barmer Bekenntnissynode hielte sie fest:

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

All die genannten „Verwechselungen“, so unterschiedlich sie auch sind, haben doch eines gemeinsam: Es wird verkannt, dass die Kirche und jeder Christ einzig und allein aus dem in Jesus Christus und der Heiligen Schrift geoffenbarten Wort Gottes lebt, dass allein dieses Wort Quelle ihrer Verkündigung sein kann und dass allein dieses Wort den Weg der Gemeinschaft der Gläubigen bestimmen darf. Wo man aber dieses Wort mit anderen Überzeugungen, Einsichten und Empfindungen verwechselt, wird Jesus Christus und seine Kirche lächerlich und unglaubwürdig gemacht. Martin Luther sagte: „Zum Christsein gehört es, Geduld zu haben, die sich nicht irdischen Geldes und Gutes getröstet, sonden allein des Wortes der Schrift. Diese ist wohl ein papierenes Buch, aber Gott läßt sich hernieder und senkt sich in die Buchstaben, so daß sie sein Wort sind, auf das die Menschen ihren Trost und ihre Hoffnung setzen können.“ Und weiter, „daß die Schrift nicht ein leicht zerbrechlicher Strohhalm ist; sondern wo die Schrift ist, ist Gott gegenwärtig. Wer sie annimmt, nimmt Gott an.“(3) Und wer sie verwirft, der verwirft Gott. In diesem Sinne: Vorsicht – Verwechselungsgefahr!

Fußnoten:

  1. Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode – Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Frankfurt: Fischer, 1985, S. 13.
  2. Robert P. Ericksen, Theologen unter Hitler. Das Bündnis zwischen evangelischer Dogmatik und Nationalsozialismus. München: Hanser, 1986, S. 203.
  3. E. Ellwein (Hrsg.), D. Martin Luthers Epistel-Auslegung, Bd. 1: Der Römerbrief. Göttingen: Vandenhoeck, 1963, S. 322.

Für Gottes Wort nehm ich mir Zeit

„Für Gottes Wort nehm’ ich mir Zeit“ lautet ein bekanntes Lied von Theo Lehmann. Dass man sich für Gottes Wort Zeit nehmen sollte, um auf Gott zu hören und seinen Willen für unser Leben kennenzulernen, wird wohl bei allen Christen Zustimmung finden. Auseinander gehen die Meinungen allerdings da, wo gefragt wird, was mit diesem „Wort Gottes“ nun genau gemeint ist. Heutzutage wird „Wort Gottes“ nicht mehr selbstverständlich als Synonym für die Heilige Schrift, sprich die Bibel, verstanden, sondern eher als ein Reden Gottes im Inneren des Menschen. So soll der Christ die Stille suchen, um dort für die Begegnung mit dem Geist Gottes bereit zu sein.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, Stille und Ruhe zu suchen – die Frage ist aber, was dann dort geschieht? Reformatorisches Christentum hat den Gedanken an ein unmittelbares, am Wort Gottes vorbeigehendes, Reden Gottes im Inneren des Menschen stets verworfen. (In diesem Zusammenhang sei nochmals auf das Büchlein von Pfr. Kürschner hingewiesen.) So soll Martin Luther drastisch gesagt haben:

Deshalb mahne ich euch vor solchen verderblichen Geistern – die sagen, ein Mensch empfängt den Heiligen Geist durch stilles Sitzen in der Ecke – auf der Hut zu sein. Hunderttausend Teufel wird er empfangen und nicht zu Gott kommen.

Auch Dietrich Bonhoeffer wäre wohl kein Freund der heute gängigen Praxis geworden, sich zu sehr auf die Innerlichkeit zu konzentrieren:

… man meint, das Wesen des Menschen bestehe in seinen innersten, intimsten Hintergründen, und das nennt man dann seine „Innerlichkeit“; und ausgerechnet in diesen menschlichen Heimlichkeiten soll nun Gott seine Domäne haben!

Und weiter:

Die Bibel kennt unsere Unterscheidung von Äußerem und Innerem nicht. Was soll sie eigentlich auch? Es geht immer um den „Anthropos teleios“, den ganzen Menschen, auch dort, wo wie in der Bergpredigt, der Dekalog ins „Innerliche“ vorgetrieben wird. Daß eine gute „Gesinnung“ an die Stelle des Guten treten könne, ist völlig unbiblisch. … Das „Herz“ im biblischen Sinne ist nicht das Innerliche, sondern der ganze Mensch, wie er vor Gott ist. … Ich will also darauf hinaus, dass man Gott nicht noch an irgendeiner allerletzten heimlichen Stelle hineinschmuggelt …

Und das bedeutet eben, dass der Menschen von außen mit dem Wort Gottes, wie es uns in der Bibel überliefert ist, angesprochen werden beziehungsweise sich ansprechen lassen soll – alles Übrige steht in Gottes Hand.

Bonhoeffer schrieb dies alles noch als eine Kritik an der Praxis, die Sünden und Schwächen eines Menschen in seinem tiefsten Inneren ausspionieren zu wollen – notfalls auch mit psychologischen und philosophischen Konzepten und Methoden. Mir scheint, dass man heute oft nichteinmal mehr Sünden, sondern nur noch sich selbst sucht?!

Wer aber Jesus Christus sucht, der sollte hören auf „das Gesetz und die Worte, die der Herr Zebaoth durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten.“ (Sach 7,12) So ruft uns Jesus Christus zu:

„Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.“ (Joh 6,63)

„Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.“ (Spr 1,23)

„Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.“ (2 Petr 1,20.21)

Was Dich bewegt – Christen und der Sex

Pfr. Mathias Kürschner ist nicht nur der Verfasser eines ausgezeichneten und empfehlenswerten kleinen Buches über Martin Luther als Ausleger der Heiligen Schrift (siehe hier und hier), sondern er hält auch recht ansprechende Predigten. Eine kurze Predigt zum Thema „Christen und der Sex“ über Epheser 5,1–8a kann hier angehört beziehungsweise heruntergeladen werden: pauluskirche-bielefeld.de