Auf dem Weg zum Jahresende präsentiert das Martin Bucer Seminar noch eine Ausgabe von Glauben und Denken heute (GuDh). Darin gibt es u. a. einen erstmals in deutscher Sprache veröffentlichten Text von Francis A. Schaeffer aus dem Jahr 1951, der sich mit der Frage beschäftigt, wie wir zu wahrer Kraft und Freude am Herrn kommen. Schaeffer betont darin, dass man nur zu Kraft und Freude im Glaubensleben durchdingen kann, wenn man sowohl im persönlichen Leben als auch in der Gemeinde nach Reinheit in Lehre und Leben und nach Liebe strebt. So schreibt Schaeffer:
Im zweiten Kapitel der Offenbarung sehen wir wie Christus zu der Gemeinde in Ephesus spricht. Diese Gemeinde war eine arbeitende Gemeinde. Es war eine Gemeinde mit Geduld – Geduld offensichtlich mitten in Verfolgung um Christi willen. Es war eine Gemeinde, die falsche Lehre hasste, und Christus hat sie für all das gelobt, aber es mangelte ihnen an einer Sache: Sie hatten ihre erste Liebe verlassen. Sie hatten ihre Liebe zu Christus verlassen. Keiner von außen konnte das erkennen, aber Christus wusste es. Sie taten all die Dinge, die sie begonnen hatten, weil sie ihn liebten, aber sie taten diese Dinge nicht mehr länger aus einer tiefen Liebe zu Christus. Und der Herr sagte ihnen, wenn sie nicht zu ihrer ersten Liebe zurückkehrten, würde er ihren Leuchter wegnehmen. Das bedeutet, er würde ihr Zeugnis wegnehmen. Es gibt vor Gott nur ein akzeptables letztendliches Motiv – das ist unsere Liebe zu ihm.
Sehr interessant ist auch der Artikel von John Warwick Montgomery, der die Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens mit juristischen Mitteln untersucht. So schreibt er etwa zu der Frage, ob die neutestamentlichen Dokumente als Beweismittel taugen:
Wie gut sind diese Aufzeichnungen des Neuen Testaments? Sie erfüllen auf schöne Weise den Bedarf des Historikers an Verlässlichkeit in der Überlieferung (ihre Texte sind von der Zeit ihrer Niederschrift bis in unsere Tage akkurat überliefert worden), interner Verlässlichkeit (sie beanspruchen, als Dokumente Primärquellen zu sein, und das hört sich wahr an) und externer Verlässlichkeit (ihre Verfasserschaft und ihre Abfassungsdaten werden gestützt durch solche soliden äußeren Zeugnisse, wie das des Autors Papias aus dem frühen zweiten Jahrhundert, einem Schüler des Evangelisten Johannes. Ihm wurde von Johannes berichtet, dass die ersten drei Evangelien tatsächlich von ihren traditionell überlieferten Verfassern geschrieben wurden). Simon Greenleaf von Harvard, die größte Autorität des 19. Jahrhunderts im Beweisrecht in der Welt des Bürgerlichen Rechts, wandte auf diese Aufzeichnungen die „Antike-Dokumente“-Regel an: Antike Dokumente werden als taugliches Beweismittel angenommen, wenn sie „redlich in der äußeren Aufmachung“ sind (d. h. sie bieten keinen inneren Beweis für Manipulation) und in „annehmbarer Aufbewahrung“ erhalten wurden (d. h. ihre Konservierung war vereinbar mit ihrem Inhalt). Er zieht den Schluss, dass die Tauglichkeit der Dokumente des Neuen Testaments von jedem Gerichtshof bestätigt werden würde.
Daneben enthält die aktuelle Ausgabe von Glauben und Denken heute zwei Artikel von Thomas Schirrmacher, einen Bericht über ein neues Studienzentrum des Martin Bucer Seminars und zwei Buchrezensionen.
Hier kann Glauben und Denken heute heruntergeladen werden: GuDh 2/09