Posts Tagged ‘Fragen zum NT’

Hat Jesus in der Hölle gepredigt?

Es ist eine “dunkle” Stelle, die wir in 1Petrus 3,19.20 lesen:

In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

Zu diesen beiden Versen gibt es die unterschiedlichsten Auslegungen. Eine der wohl bekanntesten ist die, dass Jesus nach seiner Kreuzigung in der Hölle den verlorenen Seelen aus der Zeit Noahs das Evangelium oder gar den Toten allgemein predigte. Eine kurze Darstellung und Diskussion der verschiedenen Auslegungen findet sich hier: www.nikodemus.net

Allerdings stimme ich mit dem dort vertretenen Ergebnis nicht überein. Meiner Ansicht nach, spricht diese Stelle im ersten Petrusbrief davon, dass Christus durch Noah seiner Zeit den Menschen damals das Evangelium predigte. Diese Ansicht wird auch in einer Auslegung des von mir sehr geschätzten Herbert J. Jantzen vertreten, die hier angehört werden kann (1Petr 3,19.20 wird ca. ab dem letzten Drittel des Vortrags besprochen, aber es lohnt sich sehr auch die ersten beiden Drittel anzuhören!): mp3-Download

 

Frage und Antwort: Richtet Jesus ganze Völker?

Frage: Warum werden beim so genannten Völkergericht in Mt 25,31ff ganze Völker verurteilt und andere anscheinend geschlossen ins Gottes Reich genommen? Ist es nicht so, dass es in jeder Nation eine kleine Minderheit bekehrter Christen gibt? Oder geht es hier nur um mildernde Umstände in der Hölle, weil manche Völker sich zu Lebzeiten freundlicher verhalten haben als andere?

Antwort: Die Rede von Jesus Christus vom so genannten Völkergericht hat im Verlauf der Geschichte eine ganze Reihe von Deutungen hervorgebracht. So weit ich sehe, hatte das verschiedene Gründe. Einerseits ergeben sich Schwierigkeiten, wem dieses Gericht gelten soll, wenn man versucht, einen zeitlichen Ablauf der Endzeit zu erstellen und das Völkergericht darin einzuordnen. Andererseits haben viele Christen eine Antwort auf die Frage gesucht, ob nicht doch auch Menschen gerettet werden könnten, die nicht an Jesus Christus geglaubt haben. In dieser Geschichte haben sie dafür eine Möglichkeit gesehen. Ich zitiere einmal beispielhaft Gerhard Maier aus seinem Buch Er wird kommen (Wuppertal: Brockhaus, 1995), der 4 oder sogar 5 verschiedene Gerichte sieht, wobei das Völkergericht das letzte sei: (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Ist ‘Simon der Aussätzige’ ein Übersetzungsfehler?

Frage: Wie kann man erklären, dass Simon der Aussätzige in Mt 26,6 im Haus war, wo Aussätzige doch vor die Stadt müssen? Stimmt die Erklärung, dass das Matthäusevangelium oder sogar das ganze Neue Testament einen hebräischen bzw. aramäischen Vorläufer hatte und dass es sich bei „der Aussätzige” um einen Übersetzungsfehler handelt?

Antwort: Am sinnvollsten ist es, davon auszugehen, dass Simon den Beinamen der Aussätzige behalten hat, nachdem er vom Aussatz geheilt worden war. Simons gab es offenbar viele und so ist die Sitte der Beinamen in Israel ganz normal. Die Bezeichnung „Simon der Aussätzige” war Simon, dem Geheilten dann einfach geblieben. Das erinnerte an die ungewöhnliche Heilung vom Aussatz und unterschied ihn von den vielen anderen Personen namens Simon: Simon Iskariot (Joh 6,71), Simon Petrus, Simon der Kanaanäer (Mt 10,4), Simon, dem Halbbruder Jesu (Mt 13,55), Simon, dem Pharisäer (Lk 7,37), Simon von Kyrene (Mt 27,32) und Simon, dem Zeloten (Lk 6,15). Der letzte war sicher auch kein Zelot mehr, nachdem er ein Jünger von Jesus geworden war. (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Datum der Kreuzigung?

Frage: Wann ist Jesus wirklich gekreuzigt worden? Beim Lesen verschiedener Bibeln, Bibelkommentare und Bücher wird die Frage brennend. Jeder Autor kommt nach seinen Berechnungen auf Grund biblischer Berichte auf ein anderes Datum. Auch der Wochentag schwankt zwischen Donnerstag und Freitag. Welche Argumente sprechen für welche Lösung?

Antwort: Die vorliegende Frage ist durchaus naheliegend, denn die Evangelien machen zahlreiche exakte Angaben zum Datum der Kreuzigung. Die Daten liegen natürlich alle in den damaligen Kalendersystemen vor, sind aber so, dass sie vergleichbar wären mit der Angabe des Datums, dass ich für das wahrscheinliche halte: Freitag, der 7. April 30 (zwischen 9 und 15 Uhr). Damit aber beginnt das Problem. Die von mir gemachte Angabe ist ein proleptisches Datum, denn der bei uns heute gebräuchliche, so genannte gregorianische Kalender hat seine allgemeine Geltung erst wenige hundert Jahre. Er wurde ab 1582 eingeführt, aber galt in manchen Bereichen Deutschlands erst im 18. Jahrhundert und die russisch-orthodoxe Kirche feiert ihren 24. Dezember immer noch am 6. Januar, weil sie den gregorianischen Kalender nicht eingeführt hat. Deswegen fand die russische Oktoberrevolution auch am 7. November 1917 statt, jedenfalls nach (unserem) gregorianischen Kalender. Denn die Russen richteten sich damals noch nach dem Julianischen Kalender, der zwar schon 46 v. Chr. von Julius Caesar eingeführt wurde, aber auch nicht überall gültig wurde. Auch die Bezeichnung der Wochentage und Monate, die Abgrenzung der Monate und Jahreswenden und die Feststellung der Uhrzeit war zu neutestamentlicher Zeit anders. Man rechnet also unser System rückwärts in die Zeit bevor es Gültigkeit besass, d.h. proleptisch. Dabei muss eine Synchronisation zwischen römischen Zeitangaben, jüdischem Kalender und Festtagskalender und dem unsrigen vorgenommen werden. (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Auferstehung des Körpers?

Frage: Was geschieht mit dem toten Körper derer, die bei der allgemeinen Auferstehung schon lange verstorben sind? Wird dieser verweste Leib, von dem vielleicht nur noch Knochen oder nicht einmal mehr die vorhanden sind, wieder auferstehen und danach oder dabei verwandelt werden oder bleibt er in der Erde und wir erhalten bei der Auferstehung sofort den himmlischen Leib?

Antwort: Obwohl der neue Körper, den wir bei der Auferstehung erhalten, ganz und gar neu und anders ist als der alte, in dem wir jetzt leben, legt das Wort Gottes wert darauf, dass es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen dem alten und neuen Körper gibt. Paulus spricht vom verweslichen Körper als einem Samenkorn (1Kor 15,35ff) und meint doch, dass der alte und der neue Körper nicht vergleichbar sind, sondern ganz anders beschaffen. Dem alten Körper haftet Unehre an, der neue ist herrlich, der alte kann die Schwachheit nicht überwinden, der neue kennt nur die Kraft Gottes, der alte lebt in ständigem Verfall, der neue kann nicht verwesen. (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Richtige Taufformel?

Frage: Warum wird die Taufe immer gemäß Mt 28, also der Taufformel vollzogen, obwohl sonst im NT grundsätzlich auf den Namen Jesu getauft wird? Sollte man sich nicht genau an diese Taufformel halten?

Antwort: Heute werden die allermeisten Taufen nach der sogenannten Taufformel nach Mt 28 vollzogen. Obwohl der Taufbefehl von Jesus keine formal zu verstehende Anweisung darstellt, verbreitete er sich schon früh als Taufformel. In der Didache, einer vielbeachteten Schrift an der Wende des ersten Jahrhunderts, heißt es zur Taufe (7,1-3): Tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes in fließendem Wasser. Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, so taufe mit anderem Wasser, kannst du’s nicht in kaltem tun, dann in warmem. Hast du beides nicht, so begieße dreimal das Haupt, auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Welchen Sinn hat die Verklärung?

Frage: Wozu eigentlich ist die Verklärung Jesu geschehen und warum nahm Jesus nur drei seiner Jünger mit auf den Berg?

Antwort: Den Bericht von der Verklärung finden wir bei Matthäus (16,23-17,8), Markus (9,1-8) und Lukas (9,27-36), aber auch im 2. Petrusbrief (1,16-18) und vielleicht wird das Ereignis sogar im Johannesevangelium (1,14) angedeutet. Die gestellte Frage bringt ans Licht, dass zur theologischen Bedeutung der Verklärung Jesu nur wenig gesagt wird, obwohl der Abschnitt sogar in die Perikopenreihe (am letzten Epiphaniassonntag) aufgenommen wurde. Als Predigthörer sind mir fast nur Gedanken zum eigenartigen Ansinnen des Petrus, Hütten zu bauen, im Gedächtnis. R. Bultmann hatte als Grundlage seiner theologischen Deutung – im Anschluß an J. Wellhausen – die Verklärungsgeschichte für einen umgearbeiteten Auferstehungbericht gehalten. Darin sind ihm viele gefolgt und haben ein historisches Ereignis Verklärung verneint. Die gestellte Frage entzündet sich aber gerade daran, dass wir das historische Ereignis nicht bezweifeln. Warum also nimmt Jesus zu seinem Gespräch mit Mose und Elia drei Jünger mit und warum nur drei? Ich sehe im wesentlichen die folgende Gründe. Aus dem Zueinander dieser Gründe ergibt sich meines Erachtens, dass es Jesus wichtig war, seine Jünger die Verklärung erleben zu lassen, weil dabei wichtiges über das Wesen des Gottesohnes gezeigt wird, das Erlebnis aber nicht allen schenkte, weil daraus der Schluss gezogen werden könnte, jeder Christ brauche ein Einweihungserlebnis wie es in den Mysterienreligionen üblich war. (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Ein Betrüger wird gelobt?

Frage: Warum wird der ungerechte Verwalter im Gleichnis in Lukas 16 gelobt, obwohl er doch eigentlich seinen Herrn mit seiner falschen Buchhaltung betrügt?

Antwort: Bei dem Gleichnis vom ungerechten Verwalter geht es offenbar um folgende Lehre: Solange du die Möglichkeit hast, bereite dich auf die Zeiten vor, wenn du keine Möglichkeiten mehr hast. Geistlich gesprochen und an die Glaubenden gerichtet hieße das: Lass dein Handeln jetzt in dieser Welt immer davon bestimmt sein, dass du am Ende in die ewige Welt willst. Um diesen Punkt zu verdeutlichen nimmt Jesus ein Beispiel von den Kindern der Welt. Dort beobachtet man gelegentlich trotz Unrecht und Betrug mehr vorausschauendes Handeln als unter den Kindern des Lichts. (weiterlesen…)

Frage und Antwort: Widerspricht sich Jesus?

Frage: Wie passen folgende zwei Aussagen Jesu zusammen? Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr. (Joh 5,31). Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr (Joh 8,14).

Antwort: Diese Frage ist ein schönes Beispiel, wie ein scheinbarer Widerspruch zu genauerem Hinschauen herausfordert und damit zu einem tieferen Verständnis des Ausgesagten. Für die Antwort ist es wichtig, dass der direkte Zusammenhang, aber auch der Zusammenhang des ganzen Johannesevangeliums beachtet wird. Denn es geht im vierten Evangelium wesentlich darum, dass zuverlässige Zeugen aufgeführt werden, damit wir glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit wir durch den Glauben das Leben haben (Joh 20,31).

Jesus will in Joh 5,31 nicht sagen, dass ein Zeugnis einer Person über sich selbst per se unwahr ist. (weiterlesen…)