Posts Tagged ‘Fernsehen’

Christen in der Mediengesellschaft

Wie soll man sich in einer Gesellschaft verhalten, die durch die Form der neuen Medien in Gefahr steht, zunehmend mit nicht ausreichend recherchierten, undifferenzierten und einseitigen Meldungen und Berichterstattungen gefüttert zu werden? Christen haben in den vergangenen beiden Jahren verschiedentlich die Erfahrung machen müssen, dass solche Berichterstattungen nicht nur Realität sind, sondern durchaus auch handfeste Konsequenzen nach sich ziehen. In einem Interview mit dem Christlichen Medienmagazin PRO (Ausgabe 1/2010) sagte der Journalist und Autor Prof. Dr. Wolfgang Stock dazu:

Denken Sie nur an das Jahr 2009, aus meiner Sicht ein Wendejahr in der Kommunikation der Christen in Deutschland. Sie fanden sich in einer Situation, in der ihnen regelrechter Hass entgegenschlug – denken sie etwa an den Kongress für Psychologie und Seelsorge in Marburg oder das Christival im Mai 2008 in Bremen. Für mich war es ein Schock, während des Kongresses in Marburg unter Polizeischutz einen Gottesdienst zu besuchen. Auch Journalisten sind einigen christlichen Überzeugungen mit großem Unverständnis begegnet. Als ich das Buch von zwei ARD-Journalisten über “christliche Fundamentalisten und die Kirche” gelesen habe, das ebenfalls im vergangenen Jahr erschien, war mir klar: die beiden verstehen Kirche und Glaube überhaupt nicht! Das ist noch nicht einmal ein Vorwurf, sondern für mich die Erkenntnis, dass in führenden Positionen in den Medien Menschen tätig sind, die das Wesen des Christentums und die Motivation von Christen in diesem Land nicht richtig einordnen können. Beispiel Mission: Immer wieder wurde in Fernsehreportagen abwertend kommentiert, dass sich Christen in muslimisch geprägten Staaten als Missionare aufhalten. Dass sich diese Christen um das Wohl der Menschen kümmern und etwa in Krankenhäusern tätig sind, ignorieren die meisten.

Zu den Konsequenzen, die Christen daraus ziehen sollten, meint Stock:

Wir müssen mehr erklären, wer und was wir sind, welche Botschaft wir haben und was diese Botschaft für unsere Gesellschaft bedeutet. Wir müssen deutlich machen, dass sie in keinem Fall eine Gefahr ist, sondern ein Angebot und dass Christen niemanden hassen. Denn das wird Christen angesichts der Debatten im vergangenen Jahr immer wieder unterstellt. Aber das ist völlig abwegig.

Prof. Stock wird auch auf der ersten christlichen Bloggertagung “blog the word” sprechen: bloggertagung.de

Bildnachweis: Gerrit Visscher

Verdummung in unserer Medienwelt

FernsehfamilieNie war der Zugang zu Wissen leichter als heute, und im Verhältnis dazu, waren die Menschen wohl nie dümmer als heute?! Während etwa im 19. Jahrhundert in Amerika einfache Leute fast mühelos einer siebenstündigen (!) Diskussion von Politikern, die mit dem heutigen Diskussionsstil wenig bis nichts gemeinsam hat, denn es ging um Inhalte, folgen konnten, beschweren sich Gottesdienstbesucher heute nicht selten schon, wenn die Predigt etwas länger als 30 Minuten dauert (oder wenn sie einen Satz wie diesen lesen müssen). Das hat sicher vielfältige Gründe. Zum Beispiel die Gewöhnung an die Art der Informationsübermittlung v. a. durch das Fernsehen und auch durch das Internet, die ein Hamburger Künstler ganz treffend als Fastfood-Information* bezeichnet hat (sie stillt den Hunger nicht wirklich und ist nicht gerade gesundheitsfördernd) oder auch die, von der liebenswerten Dame, die in unserer Gemeinde den Büchertisch verwaltet, immer wieder bemängelte Tatsache, dass immer weniger gelesen und vorgelesen wird. Neil Postman hat es am Beispiel des Fernsehens ganz gut auf den Punkt gebracht:

Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.

Es ist hier wohl kaum Zeit und Ort, diese Problematik sorgfältig zu reflektieren. In Gemeinden und in theologischer Ausbildung sollte das aber geschehen. Die Gemeinde Christi sollte hier nicht dem Geist der Zeit folgen, sondern ihre Glieder dazu anhalten und darin unterstützen, kluge Leute zu werden. Eine Predigt sollte nicht nur Impulse und Anregungen liefern, sondern klaren Inhalt vermitteln und die biblische Botschaft für das ganze Leben entfalten. Gottesdienste sollten nicht zu “frommen” Unterhaltungsveranstaltungen verkommen, nach denen sich anschließend die Besucher darüber austauschen, wie sie das ganze denn fanden, sondern Gottesdienste sollten Orte der Begegnung mit Gott sein, der zuerst gehört und dann auch angerufen werden will!

(*) Und damit verbunden die Fastfood-Kommunikation (Chat, SMS …) mit der dazu passenden “Sprache“.

Fernsehen macht blöd

DummgeklotztMan könnte es auch sinnentleerte Beschäftigungstherapie nennen: Das Fernsehen. Darüber, wie das Fernsehen uns verblödet, hat der Kulturjournalist Alexander Kissler ein Buch geschrieben:

Wenn Kerner kuschelt, Klum kichert und Kallwass Krawall macht, dann ist das Fernsehen bei sich. Es belohnt Unterwerfung und bestraft die eigene Meinung. Es verherrlicht das Fleisch und vertreibt den Geist. Es feiert sich selbst und denunziert den Menschen.
Zoten hält das Fernsehen für Unterhaltung, kochende Clowns für Kultur, statt Journalismus gibt es Gefühlsmanagement. ARD und ZDF machen mit bei der Jagd nach mehr Quote, mehr Sensation, weniger Information. (weiterlesen…)