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Einstieg in Accordance

Die Deutsche Bibelgesellschaft bietet seit einiger Zeit die Züricher Bibel als Accordance Modul an. Das Paket für 38 Euro enthält aber nicht nur die Bibelübersetzung, sondern auch die vollständige Software Accordance 8.2 (die sich kostenlos auf die aktuellste Version updaten lässt). Damit erhält man ein günstiges Einstiegspaket in die Accordance-Welt, das sich nach den eigenen Bedürfnissen mit kostenlosen und kostenpflichtigen Modulen erweitern lässt.

Schade finde ich, dass es nur recht wenige deutschsprachige Module und Texte für Accordance gibt. So habe ich angefangen, eigene deutschsprachige Benutzerwerkzeuge zu erstellen und möchte hier drei zum Download für den privaten Gebrauch zur Verfügung stellen (weitere, umfangreichere sind in Arbeit):

Die Benutzerwerkzeuge können einfach in den Ordner für die User-Tools (meist: Dokumente > Accordance Files > User Tools) kopiert und dann in Accordance über die Benutzerwerkzeuge genutzt werden.

Übrigens lässt sich Accordance auch auf einem PC betreiben. Mehr dazu hier.

Um wen geht es in der Bibel?

Zu dieser wichtigen Frage hat Daniel Dangendorf auf ein sehr gutes Video hingewiesen, das auf seinem Blog angesehen werden kann: Theologia et Musica

Don Quijote und der Fundamentalist

Wer meint, dass die Abenteuer des Don Quijote schon vor langer Zeit ein Ende gefunden haben, der irrt. Denn in immer neuen Gestalten rüstet er sich und sein altes, dürres Reittier und zieht durch die Lande auf der Suche nach neuen Abenteuern.

Diesmal, so scheint es mir, hat er sich in die Gestalt des Journalisten gekleidet und reitet auf Halbwahrheiten und undifferenzierten Darstellungen durchs Land. Der Feind lauert, wie üblich, hinter der nächsten Ecke, genauer in der nächsten Kirche. Denn, so meint unser tragischer Held, jeder (evangelikale) Christ, der die Bibel ernst oder gar wörtlich nimmt – also ein Fundamentalist, sei eine Bedrohung für unsere freie und demokratische Gesellschaft, und schnell hat unser kampfeslustiger Krieger Gemeinsamkeiten zwischen bibelgläubigen Christen und militanten Terroristen ausgemacht. Terrorist und Fundamentalist reimt sich ja auch!

Wie man auf diese Assoziationen kommt und warum Christen, die die Bibel ernst nehmen, gefährlich sein sollen, ist mir allerdings nach wie vor schleierhaft. Vielleicht hätte unser wagemutiger Reiter, neben seiner Lieblingsliteratur, auch hier und da einen Blick über den Tellerrand wagen sollen. Dann wäre ihm sicher nicht entgangen, dass die dunkelsten Kapitel der Kirchengeschichte gerade die waren, wo die Bibel unbekannt war und ihr Inhalt geheim gehalten wurde und dass gerade dort, wo man zur biblischen Botschaft zurückkehrte (etwa in der Reformation) tiefgreifende und befreiende Veränderungen auszumachen sind: Martin Luther vor dem Reichstag zu Worms ist wohl das berühmteste Beispiel dafür. Ein Mann, der aufgrund seines biblischen Glaubens wagt, sich gegen die Mächtigen seiner Zeit zu stellen und die Gesellschaft von einem erdrückenden Glauben befreite. Doch dies ist nur ein Beispiel für die endlose Zahl derer, die durch das Lesen oder Hören der biblischen Botschaft zu einem befreiten Leben fanden, in dem sie sich nicht selten für andere aufopferten, ihnen dienten und sogar bereit waren ihren Peinigern zu vergeben und die Kraft fanden Schweres zu (er)tragen.

Jesus Christus selbst, als Vorbild all derer, die ihm folgen, wurde unschuldig hingerichtet und bat dennoch um Vergebung für seine Peiniger. Sein Leben und sein Dienst waren durchzogen von Liebe und Aufopferung für andere – und das alles als einer, der gekommen war, die Bibel zu erfüllen (Mt 5,17–20; Joh 5,39). Seinen Jüngern verbot er Gewalt im Einsatz für ihn (Joh 18,11) und rügte sie, wo sie dem Wort der Bibel nicht vertrauten (Lk 24,13ff.). Derjenige, der Jesus nachfolgt, ist keine Gefahr, sondern eine Bereicherung für die Gesellschaft, weil er bestrebt ist, hingebungsvoll seinem Nächsten in Liebe zu dienen: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (1Tim 1,5)

So zieht unser Don Quijote wieder einmal gegen ein Phantom zu Felde und richtet viel unnötigen Schaden an. Doch noch tragischer als seine Gestalt, erscheinen mir jene, die zwar Christen sein wollen, doch dem Wort ihres Herrn dennoch nicht vertrauen!

Einige Gedanken zum ersten Timotheusbrief

Dieser Beitrag stammt von Cristiano Silva.

In seinem ersten Brief an Timotheus, gibt der Apostel Paulus wertvolle Ratschläge, um dem jungen Gemeindemitarbeiter zu helfen, die Herausforderungen, Belastungen und Konflikte im Leben eines hauptamtlichen Mitarbeiters zu bewältigen. Seine Worte in diesem Brief bringen auch uns dazu, über unser Verhalten nachzudenken – sowohl im Blick auf uns selbst als auch im Blick auf unseren Nächsten. So erinnert Paulus Timotheus beispielsweise an die Ratschläge, die er ihm hinsichtlich bestimmter Leute gegeben hatte:

Du weißt, wie ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu gebieten, dass sie nicht anders lehren, auch nicht Acht haben auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als dass sie dem Ratschluss Gottes im Glauben dienen. […] Davon sind einige abgeirrt und haben sich hingewandt zu unnützem Geschwätz, wollen die Schrift meistern und verstehen selber nicht, was sie sagen oder was sie so fest behaupten. (1Tim 1,3–4 und 6–7)

Dieses „unnütze Geschwätz“, das der Apostel hier erwähnt, und dieser Schein ein „Lehrer des Gesetzes“ sein zu wollen, erinnert mich sofort an das Verhalten einiger, die außerhalb oder innerhalb der Gemeinde vorgeben, mehr zu sein als sie sind. Das tun sie mittels endloser Erläuterungen, zweideutiger Reden, Gesprächen, die zu nichts führen – und das mit dem Ziel, sich selbst zu erheben. Wir müssen wachsam sein, damit wir diesen Fehler nicht begehen. Insbesondere im Hinblick auf unser christliches Leben müssen wir darauf bedacht sein, dass unsere Liebe aus reinem Herzen, aus einem guten Gewissen und aus einem ungeheuchelten Glauben kommt (1Tim 1,5).

Der Schriftsteller Umberto Eco, der eines meiner Lieblingsbücher, „Der Name der Rose“ [1], verfasst hat, geht in einem Abschnitt dieses Werkes auf eine wichtige Unterscheidung bezüglich unseres Verhaltens ein, die meines Erachtens gut zu dem passt, was der Apostel Paulus hier zu Timotheus sagt. Dort erklärt der Hauptcharakter des Buches, William von Baskerville, seinem jungen Schüler Adso, wie einige Leute aus dem Verlangen nach Erkenntnis, gemeint ist die Suche nach Wissen nur um des Wissens willen, leiden – und das nur um das eigene Ich zu stärken und den intellektuellen Stolz zu pflegen, statt sein Vergnügen darin zu sehen, herauszufinden, was gut und redlich ist, was anderen weiterhelfen kann, indem man andere unterrichtet oder anleitet oder um etwas zu produzieren, was dann dem Gemeinwohl dient.

Es ist unbestreitbar wichtig und sogar lobenswert, sich auf die richtige Art und Weise Wissen anzueignen, sich mit verschiedenen Fragen zu beschäftigen und interessante Problemstellungen zu erforschen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die biblische Lehre der Apostel, die dem jungen Gemeindemitarbeiter aber warnend zuruft:

achte auf Dich selbst und auf die Lehre. (1Tim 4,16)

Und der Apostel Paulus argumentiert weiter, dass:

Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist, der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortgefechte. Daraus entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn […] (1Tim 6,3–4)

Eine unstillbare Neugier, die unsere Eitelkeit und unseren Stolz nährt, verbunden mit einer Anhäufung von Wissen nur zum eigenen Vorteil, schadet anderen (das ist etwas, dass in dem Buch von Umberto Eco sehr gut deutlich wird). Daher sollten wir versuchen, solch böse Wünsche zu vermeiden. Gelebte Mäßigung, (recht verstandene) Demut, Barmherzigkeit und Hingabe an Gott sollten demgegenüber Kennzeichen unseres christlichen Lebens sein, denen wir beständig nachjagen und die wir ausleben – zu unserem eigenen Wohl, für unseren Mitmenschen und zur Verherrlichung Gottes.

Die ungeistlichen Altweiberfabeln aber weise zurück; übe dich selbst aber in der Frömmigkeit! Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. (1Tim 4,7–8)

Aber du, Gottesmensch, fliehe das! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut!  Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. (1Tim 6,11–12)

[1] Ich mag auch den Film: eine gut gemachte Produktion und mit guten Leistungen der Schauspieler. Schade nur, dass der Ausgang des Films nicht dem des Buches entspricht.

Vorsicht: Verwechselungsgefahr!

Kürzlich wurden nach einem Gottesdienst 120 Hefte des Magazins „Playboy“ an die rund 400 Besucher verteilt. Die Veranstaltung wollte zu einem unverkrampften Umgang mit der Sexualität ermutigen. Auf die Idee mit der Mitgift kamen Nichtchristen, die an der Veranstaltung mitwirkten. Von den Verantwortlichen wurde diese Anregung „gerne aufgegriffen“, denn man will ja kirchendistanzierte Menschen erreichen. Eine Person habe sich dann auch zu einem Glaubenskurs angemeldet. Doch wenn mit Pornoheften für das Seelenheil geworben wird, muss doch etwas Grundsätzliches verwechselt worden sein?

Neil Postman schrieb in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ über einen Fernsehauftritt von Billy Graham:

„Hochwürden Graham und Burns witzelten über die Vorbereitung für die Reise ins Jenseits. Obwohl in der Bibel nichts davon steht, versicherte Graham den Zuschauern, Gott liebe jene, die andere zum Lachen bringen. Ein verzeihlicher Irrtum. Er hatte lediglich den lieben Gott mit NBC verwechselt. (1)

Diese Verwechselungen kommen offenbar häufiger vor als man denkt. So tönte es jüngst von dem etwas verregneten Ökumenischen Kirchentag in München: „… feiert, lacht und singt, damit ihr Hoffnung habt“. Nichts gegen Feiern, Singen und Lachen, aber zur Begründung christlicher Hoffnung, ist das doch etwas dünn. Auch die Kommentatoren der taz suchten in den Strophen verzweifet nach einem religiösen Inhalt. Scheinbar wurde auch hier etwas verwechselt.

In einem christlichen Jugendmagazin wurden die Leser jüngst aufgerufen, „hörendes Gebet“ zu praktizieren. Dabei soll Gottes Gegenwart in der Stille gespürt werden, damit Gott dort in vielfältiger Weise in und zu uns spricht. Begründet wird dieses Vorgehen mit reichlich Bibelstellen, in denen ich nicht zu finden vermag, was drin stehen soll, und einem Lutherzitat, das seltsamerweise gerade um die Worte gekürzt wurde, die den Inhalt in ein ganz anderes Licht stellen. Wieder eine Verwechselung?

Ein letztes Beispiel: Vor ziemlich genau 76 Jahren fand Ende Mai 1934 in Barmen eine Synode angesichts einer Verwechselung statt, die wegen ihrer unermesslich schrecklichen Folgen uns als unumstößliche Mahnung beständig vor Augen stehen sollte. Der Theologe Emanuel Hirsch schrieb ein Jahr zuvor in beängstigender Naivität:

Kein einziges Volk der Welt hat so wie das unsere einen Staatsmann, dem es so ernst um das Christliche ist; als Adolf Hitler am 1. Mai seine große Rede mit einem Gebet schloß, hat die ganze Welt die wunderbare Aufrichtigkeit darin gespürt. (2)

Was man nicht so alles spüren kann? Jedenfalls gab es einige wenige Kirchenleute, die die Situation anders beurteilten. In Artikel 1 der Erklärung der Barmer Bekenntnissynode hielte sie fest:

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

All die genannten „Verwechselungen“, so unterschiedlich sie auch sind, haben doch eines gemeinsam: Es wird verkannt, dass die Kirche und jeder Christ einzig und allein aus dem in Jesus Christus und der Heiligen Schrift geoffenbarten Wort Gottes lebt, dass allein dieses Wort Quelle ihrer Verkündigung sein kann und dass allein dieses Wort den Weg der Gemeinschaft der Gläubigen bestimmen darf. Wo man aber dieses Wort mit anderen Überzeugungen, Einsichten und Empfindungen verwechselt, wird Jesus Christus und seine Kirche lächerlich und unglaubwürdig gemacht. Martin Luther sagte: „Zum Christsein gehört es, Geduld zu haben, die sich nicht irdischen Geldes und Gutes getröstet, sonden allein des Wortes der Schrift. Diese ist wohl ein papierenes Buch, aber Gott läßt sich hernieder und senkt sich in die Buchstaben, so daß sie sein Wort sind, auf das die Menschen ihren Trost und ihre Hoffnung setzen können.“ Und weiter, „daß die Schrift nicht ein leicht zerbrechlicher Strohhalm ist; sondern wo die Schrift ist, ist Gott gegenwärtig. Wer sie annimmt, nimmt Gott an.“(3) Und wer sie verwirft, der verwirft Gott. In diesem Sinne: Vorsicht – Verwechselungsgefahr!

Fußnoten:

  1. Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode – Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Frankfurt: Fischer, 1985, S. 13.
  2. Robert P. Ericksen, Theologen unter Hitler. Das Bündnis zwischen evangelischer Dogmatik und Nationalsozialismus. München: Hanser, 1986, S. 203.
  3. E. Ellwein (Hrsg.), D. Martin Luthers Epistel-Auslegung, Bd. 1: Der Römerbrief. Göttingen: Vandenhoeck, 1963, S. 322.

Die Traditionshypothese als Alternative zur Zweiquellentheorie

Sönke Finnern hat seine M. A. Thesis an der Freien Theologischen Hochschule (damals noch FTA) in Gießen im Internet publiziert. Sie beschäftigt sich mit der Entstehung der Evangelien und einem Vergleich von Traditionshypothese und Zweiquellentheorie. Finnern schreibt einleitend:

In heutigen NT-Einleitungen gehört es zum guten Ton, vor einer Darstellung und Begründung der Zweiquellentheorie auch kurz andere Modelle zur Entstehung der synoptischen Evangelien zu skizzieren, die im Lauf der Geschichte vertreten wurden: die Traditionshypothese, die Urevangeliumshypothese, die Fragmenten- bzw. Diegesenhypothese sowie verschiedene Benutzungshypothesen. Nach einer kurzen Widerlegung dieser Entwürfe wird dann die Zweiquellentheorie mit ihren klassischen Argumenten dem Leser nahegebracht.
Die Traditionshypothese (TH) ist eins dieser Modelle, die häufig im Vorbeigehen erwähnt werden. Ihre Grundannahme besteht darin, dass die Übereinstimmungen und Unterschiede der drei synoptischen Evangelien auf eine gemeinsame Benutzung der mündlichen Tradition zurückgeführt werden können, weniger auf literarische Abhängigkeit untereinander. Trotz der dominierenden Zweiquellentheorie sind in den letzten 20 Jahren hin und wieder einzelne Veröffentlichungen erschienen, die für eine TH argumentieren. Allerdings ist zu beobachten, dass sie in der Regel kaum Aufmerksamkeit finden.
Andererseits mehren sich die Schwierigkeiten mit der klassischen Zweiquellentheorie. Vieles wird unsicherer, die Zweiquellentheorie muss mit immer neuen Annahmen gestützt werden (Dmk, QMt/QLk, Lk benutzte einen defektiven Dmk, Mk kannte Q), und die Zahl der alternativen Vorschläge zur Lösung der synoptischen Frage geht in die Höhe. So könnte es an der Zeit sein, auch die TH wieder ernsthafter in Erwägung zu ziehen und ihre Argumente und Erklärungsfähigkeit neu zu überprüfen. Aus diesem Grund beschäftigt sich  diese Arbeit nun mit der „Traditionshypothese als Alternative zur Zweiquellentheorie“.

Mehr dazu hier: traditionshypothese.de

Für Gottes Wort nehm ich mir Zeit

„Für Gottes Wort nehm’ ich mir Zeit“ lautet ein bekanntes Lied von Theo Lehmann. Dass man sich für Gottes Wort Zeit nehmen sollte, um auf Gott zu hören und seinen Willen für unser Leben kennenzulernen, wird wohl bei allen Christen Zustimmung finden. Auseinander gehen die Meinungen allerdings da, wo gefragt wird, was mit diesem „Wort Gottes“ nun genau gemeint ist. Heutzutage wird „Wort Gottes“ nicht mehr selbstverständlich als Synonym für die Heilige Schrift, sprich die Bibel, verstanden, sondern eher als ein Reden Gottes im Inneren des Menschen. So soll der Christ die Stille suchen, um dort für die Begegnung mit dem Geist Gottes bereit zu sein.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, Stille und Ruhe zu suchen – die Frage ist aber, was dann dort geschieht? Reformatorisches Christentum hat den Gedanken an ein unmittelbares, am Wort Gottes vorbeigehendes, Reden Gottes im Inneren des Menschen stets verworfen. (In diesem Zusammenhang sei nochmals auf das Büchlein von Pfr. Kürschner hingewiesen.) So soll Martin Luther drastisch gesagt haben:

Deshalb mahne ich euch vor solchen verderblichen Geistern – die sagen, ein Mensch empfängt den Heiligen Geist durch stilles Sitzen in der Ecke – auf der Hut zu sein. Hunderttausend Teufel wird er empfangen und nicht zu Gott kommen.

Auch Dietrich Bonhoeffer wäre wohl kein Freund der heute gängigen Praxis geworden, sich zu sehr auf die Innerlichkeit zu konzentrieren:

… man meint, das Wesen des Menschen bestehe in seinen innersten, intimsten Hintergründen, und das nennt man dann seine „Innerlichkeit“; und ausgerechnet in diesen menschlichen Heimlichkeiten soll nun Gott seine Domäne haben!

Und weiter:

Die Bibel kennt unsere Unterscheidung von Äußerem und Innerem nicht. Was soll sie eigentlich auch? Es geht immer um den „Anthropos teleios“, den ganzen Menschen, auch dort, wo wie in der Bergpredigt, der Dekalog ins „Innerliche“ vorgetrieben wird. Daß eine gute „Gesinnung“ an die Stelle des Guten treten könne, ist völlig unbiblisch. … Das „Herz“ im biblischen Sinne ist nicht das Innerliche, sondern der ganze Mensch, wie er vor Gott ist. … Ich will also darauf hinaus, dass man Gott nicht noch an irgendeiner allerletzten heimlichen Stelle hineinschmuggelt …

Und das bedeutet eben, dass der Menschen von außen mit dem Wort Gottes, wie es uns in der Bibel überliefert ist, angesprochen werden beziehungsweise sich ansprechen lassen soll – alles Übrige steht in Gottes Hand.

Bonhoeffer schrieb dies alles noch als eine Kritik an der Praxis, die Sünden und Schwächen eines Menschen in seinem tiefsten Inneren ausspionieren zu wollen – notfalls auch mit psychologischen und philosophischen Konzepten und Methoden. Mir scheint, dass man heute oft nichteinmal mehr Sünden, sondern nur noch sich selbst sucht?!

Wer aber Jesus Christus sucht, der sollte hören auf „das Gesetz und die Worte, die der Herr Zebaoth durch seinen Geist sandte durch die früheren Propheten.“ (Sach 7,12) So ruft uns Jesus Christus zu:

„Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.“ (Joh 6,63)

„Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.“ (Spr 1,23)

„Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.“ (2 Petr 1,20.21)

Martin Luthers Sprachverständnis

Einen, wie mir scheint (ich habe ihn bisher nur überflogen), interessanten Aufsatz über Martin Luthers Sprachverständnis hat Daniel Wagner, Student an der Universität Zürich, verfasst. Beachtenswert ist dabei unter anderem die Skizzierung von Luthers Bibelverständnis. Die Arbeit mit dem Titel „Mittelalterliches Weltbild und wissenschaftliches Arbeiten auf modernem Niveau. Martin Luthers Sprachverständnis im Kontrast zu modernen Positionen“ kann hier heruntergeladen werden: irt-ggmbh.de

Die Prüfung Abrahams

Es ist ein einer der umstrittensten und schwierigsten Berichte der Bibel: die Versuchung Abrahams und der damit verbundene Auftrag zur Opferung Isaaks (1Mose 22). Einen interessanten Beitrag zum Verständnis dieser Begebenheit hat der Ethiker Dr. Jürgen-Burkhard Klautke in der aktuellen Ausgabe der Bekennenden Kirche verfasst. Das Heft kann hier als PDF heruntergeladen werden: Bekennende Kirche Nr 40

Es besteht auch die Möglichkeit, sich den Text vorlesen zu lassen (Mp3):
 

Aldi verkauft Bibeln

Ab kommenden Montag kann man bei Aldi neben Lebensmittel und Haushaltswaren auch Bibeln kaufen. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibelgesellschaft bietet der Discounter eine 1410seitige Bibelausgabe für 12.99 Euro an. Zu dieser „Osteraktion“ sagt der Geschäftsführer der Deutschen Bibelgesellschaft, Felix Breidenstein:

Wir hoffen, dass bei Aldi auch jene Menschen eine Bibel kaufen, die sonst nicht in konfessionelle Buchhandlungen gehen.