Dieser Beitrag stammt von Cristiano Silva.
In seinem ersten Brief an Timotheus, gibt der Apostel Paulus wertvolle Ratschläge, um dem jungen Gemeindemitarbeiter zu helfen, die Herausforderungen, Belastungen und Konflikte im Leben eines hauptamtlichen Mitarbeiters zu bewältigen. Seine Worte in diesem Brief bringen auch uns dazu, über unser Verhalten nachzudenken – sowohl im Blick auf uns selbst als auch im Blick auf unseren Nächsten. So erinnert Paulus Timotheus beispielsweise an die Ratschläge, die er ihm hinsichtlich bestimmter Leute gegeben hatte:
Du weißt, wie ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu gebieten, dass sie nicht anders lehren, auch nicht Acht haben auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als dass sie dem Ratschluss Gottes im Glauben dienen. […] Davon sind einige abgeirrt und haben sich hingewandt zu unnützem Geschwätz, wollen die Schrift meistern und verstehen selber nicht, was sie sagen oder was sie so fest behaupten. (1Tim 1,3–4 und 6–7)
Dieses „unnütze Geschwätz“, das der Apostel hier erwähnt, und dieser Schein ein „Lehrer des Gesetzes“ sein zu wollen, erinnert mich sofort an das Verhalten einiger, die außerhalb oder innerhalb der Gemeinde vorgeben, mehr zu sein als sie sind. Das tun sie mittels endloser Erläuterungen, zweideutiger Reden, Gesprächen, die zu nichts führen – und das mit dem Ziel, sich selbst zu erheben. Wir müssen wachsam sein, damit wir diesen Fehler nicht begehen. Insbesondere im Hinblick auf unser christliches Leben müssen wir darauf bedacht sein, dass unsere Liebe aus reinem Herzen, aus einem guten Gewissen und aus einem ungeheuchelten Glauben kommt (1Tim 1,5).
Der Schriftsteller Umberto Eco, der eines meiner Lieblingsbücher, „Der Name der Rose“ [1], verfasst hat, geht in einem Abschnitt dieses Werkes auf eine wichtige Unterscheidung bezüglich unseres Verhaltens ein, die meines Erachtens gut zu dem passt, was der Apostel Paulus hier zu Timotheus sagt. Dort erklärt der Hauptcharakter des Buches, William von Baskerville, seinem jungen Schüler Adso, wie einige Leute aus dem Verlangen nach Erkenntnis, gemeint ist die Suche nach Wissen nur um des Wissens willen, leiden – und das nur um das eigene Ich zu stärken und den intellektuellen Stolz zu pflegen, statt sein Vergnügen darin zu sehen, herauszufinden, was gut und redlich ist, was anderen weiterhelfen kann, indem man andere unterrichtet oder anleitet oder um etwas zu produzieren, was dann dem Gemeinwohl dient.
Es ist unbestreitbar wichtig und sogar lobenswert, sich auf die richtige Art und Weise Wissen anzueignen, sich mit verschiedenen Fragen zu beschäftigen und interessante Problemstellungen zu erforschen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die biblische Lehre der Apostel, die dem jungen Gemeindemitarbeiter aber warnend zuruft:
achte auf Dich selbst und auf die Lehre. (1Tim 4,16)
Und der Apostel Paulus argumentiert weiter, dass:
Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist, der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortgefechte. Daraus entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn […] (1Tim 6,3–4)
Eine unstillbare Neugier, die unsere Eitelkeit und unseren Stolz nährt, verbunden mit einer Anhäufung von Wissen nur zum eigenen Vorteil, schadet anderen (das ist etwas, dass in dem Buch von Umberto Eco sehr gut deutlich wird). Daher sollten wir versuchen, solch böse Wünsche zu vermeiden. Gelebte Mäßigung, (recht verstandene) Demut, Barmherzigkeit und Hingabe an Gott sollten demgegenüber Kennzeichen unseres christlichen Lebens sein, denen wir beständig nachjagen und die wir ausleben – zu unserem eigenen Wohl, für unseren Mitmenschen und zur Verherrlichung Gottes.
Die ungeistlichen Altweiberfabeln aber weise zurück; übe dich selbst aber in der Frömmigkeit! Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. (1Tim 4,7–8)
Aber du, Gottesmensch, fliehe das! Jage aber nach der Gerechtigkeit, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut! Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist und bekannt hast das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen. (1Tim 6,11–12)
[1] Ich mag auch den Film: eine gut gemachte Produktion und mit guten Leistungen der Schauspieler. Schade nur, dass der Ausgang des Films nicht dem des Buches entspricht.