Gedanken zur Theopneustie

Die Lehre von der Theopneustie geht letztlich auf eine Aussage von Paulus im zweiten Brief an Timotheus zurück. Dort schreibt der Apostel (2Tim 3,16.17):

Alle Schrift ist gottgehaucht und nützlich zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk fähig.

Wenn Paulus hier “alle Schrift”, womit in diesem Zusammenhang zunächst das sog. Alte Testament gemeint sein dürfte, als gottgehaucht (griech. theopneustos – daher Theopneustie) bezeichnet, ist damit ausgesagt, dass die Schrift (man könnte auch sagen die Bibel) nicht einfach “inspiriert” ist, dass sie nicht nur Geistliches enthält, sondern in ihrer schriftlichen Form tatsächlich von Gott geredetes Wort ist.

Wie Gott bei der Schöpfung durch seinen Geist und mit seinem Reden die Wirklichkeit schuf (vgl. 1Mose 1,2.3), in der wir tagtäglich leben und sich so in der Schöpfung als Schöpfer offenbart hat (vgl. u.a. Ps 19,2 und Röm 1,19.20), so redet er auch in dem geschriebenen Wort und offenbart sich als der eine Gott, der in dem fleischgewordenen Wort – Jesus Christus – zu uns kam. Durch dieses schriftliche Wort und durch dieses Reden in Einheit mit dem Geist Gottes schafft Gott in uns neues Leben – genauso, wie bei der Schöpfung des Universums. Das geschriebene Wort, das uns zum Vertrauen zu Gott führt, ist von dem selben geredet, der im Anfang sprach “es werde … und es ward …”. Das alles geschieht aber in und durch Christus, von dem die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite redet.

Wenn die Schrift aber gottgehaucht ist (der zweite Teil des Wortes lässt sich auch mit “-gegeistet” oder “-gewindet” übersetzen und ist offensichtlich eine Anspielung auf den Heiligen Geist, der in der Bibel oft mit dem Wind verglichen und im Zusammenwirken mit dem Reden Gottes gesehen wird bzw. aus dem Mund Gottes hervorgeht), dann ist das geschriebene biblische Wort tatsächlich Gottes Wort, das aus seinem Mund hervorging, durch das er bis heute redet und mit dem er bei uns Vertrauen erzeugt – weil sein Wort die eine Wahrheit ist, die der Wirklichkeit entspricht.


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