In einer Predigt zu 1. Johannes 4,16b-21 sagt Mathias Kürschner:
Gott ist die Liebe, betont Johannes. Das ist ein Satz, den man nicht ungestraft umkehren kann, ohne seine Bedeutung gewaltig zu verzerren. Gott ist die Liebe – das heißt: Gott ist der Maßstab, an dem sich alles zu messen hat, was beansprucht „Liebe“ sein zu wollen. Dreht man das um, behauptet man also, die Liebe sei Gott, so hat man es plötzlich allenthalben mit Phänomenen zu tun, die von sich behaupten göttlicher Natur zu sein, und seien sie auch noch so bizarre hormonelle Entgleisungen oder entwicklungspsychologische Fehlentwicklungen, die nur irgendein kranker Geist in seiner Wirrnis als Liebe betitelt. Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus! Johannes macht der christlichen Gemeinde deutlich, dass man Maßstab und Gemessenes nicht vertauschen darf. Sonst gibt es Verwirrung. Illustrationen dazu finden sich reichlich in den Texten der musikalischen Popkultur oder der neueren Literatur. Um ganz sicher zu gehen, gibt Johannes auch gleich eine nähere Definition dessen ab, was Liebe ist. Er schreibt (1. Joh 4,10): Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. Liebe ist das, was an jener düsteren Hinrichtungsstätte von Golgatha seinen Anfang genommen hat. Eigentlich nicht der Ort für schwülstige Liebesschwüre, wie man sie medial gewohnt ist. Aber so ist Gottes Liebe auch nicht. Dafür aber zupackend, das anpackend, was Not tut, dem Menschen in seinem Innersten ungeschminkt zugewandt, hingebungsvoll, verschwenderisch alles gebend, nicht nur das berühmte letzte Hemd. Nein, das wäre zu läppisch. Gottes Liebe macht selbst vor dem eigenen Sohn nicht halt, wenn es nötig ist. Und es war offensichtlich nötig. …
Die vollständige (empfehlenswerte) Predigt kann hier heruntergeladen werden: Predigt-PDF
Tags: Liebe