Das dem so ist bzw. dass das Heil an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, suggerieren jedenfalls viele Aussagen im Neuen Testament auf den ersten Blick. So scheint in 1Tim 4,16 die Rettung des Paulusschülers am rechten Ausüben seines Amtes zu hängen. In 1Kor 15,1-2 oder 2Kor 13,5 kann der Eindruck entstehen, die Gemeinde könnte ihren Glauben verlieren und einige Stellen im Hebräerbrief – v. a. 6,4–6 – haben schon so manchem Kopfzerbrechen bereitet. In Kolosser 1,21–23 heißt es:
Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes, damit er euch heilig und untadelig und makellos vor sein Angesicht stelle; wenn ihr nur bleibt im Glauben, gegründet und fest, und nicht weicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel.
Was aber, wenn nicht? Und heißt das nun, dass der Mensch etwas zu seiner Rettung tun muss? Und wie verhalten sich solche Aussagen gegenüber der Rede von Erwählung und unerschütterlicher Heilsgewissheit wie sie sich etwa in Römer 8,28–39 oder in Hebr 10 finden? Charles H. Spurgeon meinte, dass diese Warnungen und Ermahnungen keineswegs bedeuten, dass ein Christ sich wieder von Christus abwenden würde, sondern, dass sie im Heilshandeln Gottes eine bestimmte Funktion erfüllen. In einer Predigt zu Hebr 6,4–6 sagte er:
Wenn Gott dort ein “Wenn” einfügt, dann tut er das aus gutem Grund und zu einem guten Zweck. Erstens … um Dich vom Abfall abzuhalten. Gott bewahrt seine Kinder vor dem Abfall, aber dazu benutzt er bestimmte Mittel … Dort klafft ein tiefer Abgrund. Wie kann man jemanden am besten davor bewahren hinabzufallen? Warum nicht, indem man ihm sagt, wenn er hinabfiele, würde er unweigerlich in Stücke zerschmettert? In manchen alten Burgen gibt es einen tiefen Keller voller Grubengas. Jeder, der dort hinabgehen würde, würde ersticken. Was sagt uns der Fremdenführer? “Wenn Sie dort hinabgehen, werden Sie nie wieder lebendig herauskommen.” Wem käme in den Sinn, hinabzugehen? Allein dass uns der Fremdenführer die Folgen nennt, hält uns davon ab. Ein Freund nimmt uns einen Becher Arsen aus der Hand; er will verhindern, dass wir ihn trinken, und sagt: “Wenn Du das trinkst, wird es Dich umbringen.” Nimmt er auch nur einen Moment an, dass wir es trinken würden? Nein! Er sagt, welche Folgen es hätte, und er ist sicher, dass wir es nicht tun werden. So sagt auch Gott: “Mein Kind, wenn Du von dieser Klippe stürzt, wirst Du zerschmettert.” Was tut das Kind? Es sagt: “Vater, halt mich fest! Halte Du mich, dann bin ich sicher.” Der Gläubige wird dadurch zu größerer Abhängigkeit von Gott geführt, zu einer heiligen Furcht und Vorsicht, weil er weiß: Würde er herabfallen, könnte er nicht erneuert werden. So hält er sich von diesem gähnenden Abgrund fern, weil er weiß: Fiele er dort hinein, dann gäbe es für ihn keine Rettung.
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Hm.. die Praxis zeigt uns (leider viel zu oft) das Christen vom Glauben abfallen können. Und die Bibel redet auch davon.
Allerdings stimmt es voll und ganz das wir, sofern wir bei Jesus bleiben wollen auch nicht losgelassen werden.
Hallo Johannes :-)
ich bin nicht der Überzeugung, dass die Bibel davon redet, dass Christen vom Glauben abfallen können. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik bieten Thomas Schreiner und Ardel Caneday in ihrem Buch “Mit Ausharren laufen”, über das ich hier demnächst noch ausführlicher berichten möchte (scj).
Auch bin ich nicht der Überzeugung, dass es an unserem “bei Jesus bleiben wollen” hängt. Denn das widerspricht dem Beispiel des Petrus, der auch bei Jesus bleiben, sogar für ihn sterben wollte und dann doch versagt hat und nur bei Jesus Christus blieb, weil Jesus dafür gebetet hatte, dass sein Glaube nicht aufhört. Außerdem widerspricht das Eph 2,8-9 und anderen biblischen Aussagen. Leider fehlt mir momentan die Zeit, um das hier ausführlicher zu machen, aber ich kann das genannte Buch wirklich empfehlen! Soviel mal auf die Schnelle.
Liebe Grüße, Johannes
Doch noch eine kleine Anmerkung: Jesus sagt nicht, dass niemand die seinen aus seiner Hand reißen kann, weil sie bei ihm bleiben wollen, sondern, weil der Vater sie ihm gegeben hat! Das ist ein himmelweiter Unterschied und ein sehr tröstlicher noch dazu! :-)
Ich bin der felsenfesten Ansicht, dass ein wiedergeborener Christ sehr wohl vom Glauben abfallen kann. Zwei dazu prägnante Stellen sind im Hebräerbrief zu finden. Die erste Stelle findet sich in Hebr. 6,6 ff und die zweite in Hebr. 10, 26 ff.
Unabhängig davon wie wahrscheinlich ein solcher Vorfall ist, ist es doch ganz klar möglich, sein Heil wieder zu verlieren!!
Ich bin selbst leider das beste Beispiel dafür. Dies ist kein schlechter Witz, sondern bitterer Ernst. Ich habe Jesus nicht bewusst den Rücken gekehrt, sondern mein Abfall kam schleichend. Ich war in eine gesetzliche Schiene reingerutscht. Mir selbst schien es zuerst auch unglaublich, doch ich habe in den letzten zweieinhalb Monaten ziemlich schreckliche Erfahrungen gemacht. Betrachtet meinen Kommentar als Weckruf dafür, immer in einer festen Vertrauensbeziehung zu Jesus zu bleiben. Ich sehe es als meine Verantwortung, euch dies zu schreiben.
Erfahrungen alleine reichen nicht aus, denn sie können fehlgedeutet werden. Wenn diese Erfahrungen aber dem Wort Gottes entsprechen, dann sieht das schon anders aus.
Ich werde euch jetzt kurz erläutern, wann meiner Überzeugung nach die Beziehung zu Gott bzw. das Heil unwiederbringlich verloren ist. Dies wird dann auch manchen Leser erleichtert aufatmen lassen.
Zunächst einmal sei gesagt, dass ich hier nicht als Besserwisser verstanden werden möchte. Aber, bitte glaubt mir, ich habe diese Erfahrung leider gemacht.
Der Abfall von Gott ist dann vollzogen, wenn Gott selbst es euch bestätigt. Wie tut er das? Nun, ähnlich wie bei der Wiedergeburt, wo ihr die Gegenwart des Heiligen Geistes mit einem Male erlebt. Beim endgültigen Abfall ist es so, dass ihr Gottes verzehrendes Feuer erlebt, so eine Art Vorgeschmack auf den kommenden Zorn. Nachlesen könnt ihr dies in Hebr. 10, 26 ff wo geschrieben steht, dass nur ein schreckliches Erwarten des Gerichts bleibt sowie der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.
Ich habe diese Erfahrung leider gemacht, und dieses verzehrende Feuer ist jetzt bereits seit ca. eineinhalb Monaten in mir. Ich fühle es nicht immer und auch nicht in der gleichen Intensität, aber es ist da. Als ich es bekam, dachte ich, ich müsste augenblicklich verbrennen. Es ebbte nach ein bis zwei Tagen ab, aber ich bekomme weder Rast noch Ruhe und muss ein leichtes Antidepressivum nehmen, damit ich einigermaßen schlafen kann.
Das soll hier erst einmal genügen. Wer meine ganze Geschichte kennen möchte, kann gerne Kontakt mit mir aufnehmen. Wendet euch dazu bitte an den Betreiber dieser Website.
Hallo Herr Baeßmann,
ich danke Ihnen für Ihren Kommentar und für Ihren Erfahrungsbericht. Sie machen offenbar Schweres durch und ich wünsche Ihnen, dass sich das möglichst bald bessert.
Ich möchte Ihnen Mut machen, sich auch weiterhin an Christus zu wenden, der versprochen hat, dass er niemanden abweist, der zu ihm kommt (Joh 6,37; Mt 11,28).
Was die von Ihnen angesprochenen Hebräerbriefstellen betrifft, decken diese sich meines Erachtens gerade nicht mit dem, was Sie erleben. Denn Hebr 10 spricht eindeutig von solchen Menschen, die sich bewusst von Christus abgewandt haben – und nicht schleichend, wie sie es schildern. Auch spricht Hebr 10 von dem zukünftigen Gericht, nicht von einem Gericht, was gegenwärtig erfahrbar wäre. Auch in Hebr 6 kann ich keine Parallele zu Ihren Erfahrungen sehen. Denn die dort beschriebenen Menschen verachten Christus (sie „kreuzigen ihn abermals“ und „machen ihn zum Spott“). Dasselbe gilt für die in Hebr 10 erwähnten Personen (sie nehmen Christus und sein Opfer nicht ernst). Das kann ich in Ihrem Fall aber absolut nicht erkennen, denn Sie nehmen Christus doch sehr ernst, wenn es Ihnen ein Anliegen ist, andere vor dem Abfall zu bewahren!
Jesus Christus ist nicht in diese Welt gekommen, um uns zu richten und uns zu verdammen, sondern um uns zu helfen und uns mit dem himmlischen Vater zu versöhnen. Sie selbst schreiben ja, dass unsere Erfahrungen oft zwiespältig sind, und so möchte ich Sie wiederum ermutigen, sich Christus anzuvertrauen mit all Ihrer inneren Unruhe, und umzukehren,
wenn Sie wirklich einen falschen, wie Sie sagen, gesetzlichen Weg, eingeschlagen haben. Denn das Wesen der Gesetzlichkeit ist ja, dass man mehr auf sich und sein Tun vertraut als auf Christus. Das ist eine beständige Gefahr für alle Christen, und wenn Sie das selbst erkennen, dann ist das für mich viel eher ein Indiz dafür, dass Gott bei Ihnen ist und Ihnen helfen möchte als dafür, dass er Sie verwerfen will. Daher möchte ich Ihnen die Ermahnung aus Hebr 10,35 zurufen: Werfen Sie Ihr Vertrauen nicht weg! Und klammern Sie sich an Christus.
Ich empfehle Ihnen auch, sich an eine Gemeinde zu wenden (in Bremen kann ich Ihnen die Matthäusgemeinde oder St. Martini empfehlen) und dort nach Hilfe zu fragen, wenn Sie das Gefühl haben, es alleine nicht zu schaffen.
In diesem Sinne viele Grüße und viel Kraft, Johannes