Nachdem ein Vater seiner Tochter versucht hatte, die Trinität zu erklären, betete das Kind mit den Worten: “Ihr Drei da oben …”.
Das ist eine wahre Geschichte, die deutlich macht, dass die sogenannte Trinitätslehre etwas problematisch für uns ist. Der Islam sieht in dieser Lehre eines der stärksten Argumente gegen das Christentum. Aber wie ist das nun? Glauben wir an drei Götter oder an einen einzigen Gott oder an beides?
Der Vorwurf der Vielgötterei gegen das Christentum ist so alt wie das Christentum selbst. Besonders als das Evangelium sich in den ersten Jahrhunderten mehr und mehr in der griechisch denkenden Welt ausbreitete, versuchten Christen zu erklären und verständlich zu machen, dass ihr Gott einer (5Mose 6,4) ist, aber in drei Personen existiert. Doch wie kamen sie auf diese Idee?
Nicht selten wird behauptet, dass die Trinitätslehre erst aus den theologischen Streitigkeiten des dritten und vierten Jahrhunderts (insbesondere zwischen Arius und Athansius) entstanden sei. Bei diesen Streitigkeiten ging es zunächst vor allem darum, wer Jesus Christus ist. Ist er tatsächlich Gott? Oder ist er nur ein Mensch – wenn auch ein besonderer? Oder ist er beides? So gab es innerhalb der damaligen christlichen Welt große Uneinigkeiten und Spannungen. Bei den einen war Jesus Gott – und zwar so sehr, dass er nicht wirklich, sondern nur scheinbar, Mensch war (Doketismus). Andere sahen in Jesus bloß einen – wenn auch besonderen – Menschen (Dynamismus). Wieder andere sahen in Jesus tatsächlich den einen Gott – aber als eine Erscheinungsform Gottes. So wie der Mensch aus Leib, Seele und Geist bestünde – so war damals die Argumentation – würde auch Gott aus drei Seiten bestehen (Modalismus).
Gegen all diese Anschauungen stand und steht nun das biblische Zeugnis, wo Vater, Sohn und Heiliger Geist als drei unterschiedliche “Personen” dargestellt werden, die je für sich sein können (z. B. Mt 11,25 oder 16,17, wo Jesus auf der Erde “aufblickt” zum Himmel – oder auch Joh 14,23 – der Heilige Geist wird u. a. oft als der (in der Schrift) Redende und zugleich als der von Vater oder Sohn Gesandte bezeichnet). Zugleich bilden Vater, Sohn und Heiliger Geist eine Einheit (siehe z. B. Joh 10,30; 14,9; 17,11.21 und 2Kor 3,17).
Als zu Anfang des vierten Jahrhunderts die Lehre des Arius, der Jesus lediglich als ein Geschöpf Gottes betrachtete, die Kirche zu spalten drohte und gerade diese Kirche ein wesentlicher Grundstein des sich neu herausbildenden röm. Reiches sein sollte, wurde das Konzil zu Nicäa mit Unterstützung des Kaisers, der sich auch aktiv am Konzil beteidigte, einberufen. Es dürften damals ca. 2000 Bischöfe, Theologen und “Assistenten” an dem Konzeil teilgenommen, diese Frage diskutiert und dann im Nicaenum (griech. Text) eine Antwort formuliert haben. Bei aller Kritik, die man an diesem Konzil üben muss, kann doch festgehalten werden, dass es das biblische Zeugnis von Gott bewahrt hat. Nicht im Sinne eines Dogmatismus oder Formalismus, denn schon damals gingen die Deutungen einzelner Formulierungen und Begriffe z. T. weit auseinander, sondern dem Inhalt nach. Der uns heute geläufige Begriff Dreieinigkeit ist erst nach der Reformation entstanden. Luther hatte auch Mühe einen passenden Begriff zu finden:
Dreifaltigkeit ist ein recht bös Deutsch. In der Gottheit ist höchste Einheit. Etliche nennen es Dreiheit, das laut’t allzu spöttisch. Agustinus klaget auch, daß er kein bequem Wort habe … Nenne es Gedritts. Ich kann ihm keinen Namen geben. (WA XLVI 436)
Was bedeutet das aber nun für unser Glaubensleben – ein Gott in drei “Personen”? Für unseren Verstand ist das eine Herausforderung, die er nicht zu bewältigen vermag. Theologen haben über die Jahrhunderte immer wieder versucht das Wie, das Zueinander der drei “Personen” in Gott, genauer zu bestimmen und sind m. E. gescheitert – was nicht zu letzt daran deutlich wird, dass sie dieses Rätsel, dieses Geheimnis Gottes, nicht in Worte zu fassen vermochten. Für uns bleibt festzuhalten, dass wir an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, glauben. Unser Verstand tut gut daran, sich dabei an das Wort der Heiligen Schrift zu halten und jede Spekulation darüber hinaus zu vermeiden (1Kor 4,6).
Tags: Arius · Athanasius · Doketismus · Dreieinigkeit · Dynamismus · Modalismus · Trinität