In bewegten Zeiten, wie den unseren, ist es immer wieder wichtig, zur Ruhe zu kommen und sich in der Stille neu zu orientieren. So ist es durchaus eine gute Idee, wenn sich christliche Kirchen, Werke und Einrichtungen dazu entschließen, für 2010 ein Jahr der Stille auszurufen. Dass es aber um mehr geht, als in Ruhe vor Gott zu treten, zu beten und sein Wort zu lesen, wird schnell deutllich, wenn man das Ideenheft zum Jahr der Stille liest. Dort heißt es beispielsweise in einer „Anleitung zum Still-Werden“:
Stille werden im Leib. Stille werden in der Seele. Stille werden im Geist. Nichts tun, nichts wollen, nichts denken, einfach nur da sein, ganz da sein im Augenblick, ausruhen in der bergenden Gegenwart Gottes, wie ein leeres Gefäß sein, sich Gott hinhalten: Hier bin ich, so bin ich, dein bin ich, fülle mich.
Spontan erinnert mich das eher an esoterische Praktiken, als an biblische Gottesbegegnung. So sieht es auch Alexander Seibel, der sich in der aktuellen Ausgabe von „Biblisch Glauben, Denken, Leben“ (Nr. 87) ausführlich mit dem „Ideenheft“ auseinandersetzt. Sein Fazit nach der Erörterung von Mystik, New Age, Meditativem Tanz und Hörendem Gebet:
Ich möchte allen Autoren dieser Zeitschrift die besten Absichten konzedieren. Wahrscheinlich sehnen sie sich einmütig in dieser Zeit des Niedergangs nach Erweckung und geistlichen Aufbrüchen und haben sicherlich nur gute Motive. Doch all dies entbindet uns nicht von dem Befehl, die Geister zu prüfen (1Thess 5,21; 1Joh. 4,1 usw.) und wachsam zu sein. Da aber ergibt sich auch bei größtem Wohlwollen ein – leider – anderes Bild. …
Natürlich sind in diesem Heft nicht nur unbiblische Anleitungen zu finden. Wolfgang Breithaupts einführender Artikel „Stille in der Bibel“ ist nicht zu beanstanden (S. 5–6). Allerdings werden in dem Haus der Stille, dem Breithaupt vorsteht, u.a. die Exerzitien nach Ignatius von Loyola angeboten. Ferner werden im Zusammenhang mit Wolfgang Breithaupt, der auch Mitglied der charismatisch ausgerichteten GGE (Geistliche Gemeinde-Erneuerung) ist, Bücher der katholischen Mystiker Henri Nouwen und Anselm Grün sowie von dem Extremcharismatiker Dutch Sheets empfohlen.
Man findet manchen positiven und richtigen Ratschlag wie auch Kommentar im Ideenheft und kann sicherlich auch etliche Christen dazu motivieren, Gott mehr zu suchen und mehr Zeit mit ihrem Erlöser Jesus zu verbringen. Das Problem, wie in fast allen Bereichen, ist die Vermischung. Man hat, wie es schon Paulus bei den Korinthern beklagen muss (2Kor 6,14ff), eine Mischung von Licht und Finsternis, Christus und Belial, Gläubigen und Ungläubigen usw. Je besser die tödlichen Wirkstoffe in einem Gift durch nahrhafte Substanzen getarnt und ergänzt sind, desto gefährlicher wird diese Mischung. Ein paar Kapitel danach muss er ziemlich deutlich konstatieren, wie man auch einen anderen Jesus und einen fremden Geist nur allzu willig annimmt (2Kor 11,4).
Die aktuelle Ausgabe von „Biblisch Glauben, Denken, Leben“ sollte in kürze hier zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen: bibelbund.de (Anderfalls kann die Ausgabe sicher beim Bibelbund angefordert werden.)