Archiv für die Kategorie ‘Apologetik’

Nicht nur in Brasilien

Das Wohlstandsevangelium ist zwar in unseren Breitengraden (noch) nicht sonderlich populär, dennoch hat mich so manches, was ich in dem Bericht der Journalistin Christine Wollowski über die Evangeliumsverkündigung in Brasilien las, an Erscheinungen hierzulande erinnert:

Um den Weg in den Himmel zu finden, muss sich längst keiner mehr für Kirche und Religion an sich interessieren. Ähnlich wie die Scientologen, die in den 80er Jahren ihre Kunden durch Tests zur Selbsterkenntnis köderten – immerhin mitten in der Psycho-Ära – holen die Seelenfänger der evangelischen Freikirchen ihre Kunden dort ab, wo deren Interesse liegt. Vermutlich deswegen wachsen sie von allen Religionsgemeinschaften in Brasilien am schnellsten.

Besonders beliebt bei jungen Leuten ist die Kirche „Renascer em Cristo“. Kein Wunder: in manchen Tempeln sind Tattoo-Studios integriert, andere bieten Videogames oder Reggae-Shows. Für eine pfiffige Verbindung zur angeblichen Spiritualität sorgen die pfiffigen Pastoren mühelos – selbst wenn das Thema des Abends „Extreme Fight“ heißt, wie kürzlich bei einer Großveranstaltung. Da stiegen zuerst Pastoren beim Jiu-Jitsu gegeneinander in den Ring, danach hielt ein weiterer Pastor in Army-Hosen die passende Predigt: „Kämpfe lieber um dein Leben“ hieß die originelle Botschaft.

Der vollständige Beitrag kann hier nachgelesen werden: Du musst, musst, musst in den Himmel hinein

Stille Irrfahrt durch den Esoterikdschungel?

In bewegten Zeiten, wie den unseren, ist es immer wieder wichtig, zur Ruhe zu kommen und sich in der Stille neu zu orientieren. So ist es durchaus eine gute Idee, wenn sich christliche Kirchen, Werke und Einrichtungen dazu entschließen, für 2010 ein Jahr der Stille auszurufen. Dass es aber um mehr geht, als in Ruhe vor Gott zu treten, zu beten und sein Wort zu lesen, wird schnell deutllich, wenn man das Ideenheft zum Jahr der Stille liest. Dort heißt es beispielsweise in einer „Anleitung zum Still-Werden“:

Stille werden im Leib. Stille werden in der Seele. Stille werden im Geist. Nichts tun, nichts wollen, nichts denken, einfach nur da sein, ganz da sein im Augenblick, ausruhen in der bergenden Gegenwart Gottes, wie ein leeres Gefäß sein, sich Gott hinhalten: Hier bin ich, so bin ich, dein bin ich, fülle mich.

Spontan erinnert mich das eher an esoterische Praktiken, als an biblische Gottesbegegnung. So sieht es auch Alexander Seibel, der sich in der aktuellen Ausgabe von „Biblisch Glauben, Denken, Leben“ (Nr. 87) ausführlich mit dem „Ideenheft“ auseinandersetzt. Sein Fazit nach der Erörterung von Mystik, New Age, Meditativem Tanz und Hörendem Gebet:

Ich möchte allen Autoren dieser Zeitschrift die besten Absichten konzedieren. Wahrscheinlich sehnen sie sich einmütig in dieser Zeit des Niedergangs nach Erweckung und geistlichen Aufbrüchen und haben sicherlich nur gute Motive. Doch all dies entbindet uns nicht von dem Befehl, die Geister zu prüfen (1Thess 5,21; 1Joh. 4,1 usw.) und wachsam zu sein. Da aber ergibt sich auch bei größtem Wohlwollen ein – leider – anderes Bild. …
Natürlich sind in diesem Heft nicht nur unbiblische Anleitungen zu finden. Wolfgang Breithaupts einführender Artikel „Stille in der Bibel“ ist nicht zu beanstanden (S. 5–6). Allerdings werden in dem Haus der Stille, dem Breithaupt vorsteht, u.a. die Exerzitien nach Ignatius von Loyola angeboten. Ferner werden im Zusammenhang mit Wolfgang Breithaupt, der auch Mitglied der charismatisch ausgerichteten GGE (Geistliche Gemeinde-Erneuerung) ist, Bücher der katholischen Mystiker Henri Nouwen und Anselm Grün sowie von dem Extremcharismatiker Dutch Sheets empfohlen.
Man findet manchen positiven und richtigen Ratschlag wie auch Kommentar im Ideenheft und kann sicherlich auch etliche Christen dazu motivieren, Gott mehr zu suchen und mehr Zeit mit ihrem Erlöser Jesus zu verbringen. Das Problem, wie in fast allen Bereichen, ist die Vermischung. Man hat, wie es schon Paulus bei den Korinthern beklagen muss (2Kor 6,14ff), eine Mischung von Licht und Finsternis, Christus und Belial, Gläubigen und Ungläubigen usw. Je besser die tödlichen Wirkstoffe in einem Gift durch nahrhafte Substanzen getarnt und ergänzt sind, desto gefährlicher wird diese Mischung. Ein paar Kapitel danach muss er ziemlich deutlich konstatieren, wie man auch einen anderen Jesus und einen fremden Geist nur allzu willig annimmt (2Kor 11,4).

Die aktuelle Ausgabe von „Biblisch Glauben, Denken, Leben“ sollte in kürze hier zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen: bibelbund.de (Anderfalls kann die Ausgabe sicher beim Bibelbund angefordert werden.)

Die historische Glaubwürdigkeit der Auferstehung Jesu

Auf einen sehr hörenswerten Vortrag über die historische Glaubwürdigkeit der Auferstehung Jesu Christi des Althistorikers Dr. Jürgen Spieß hat Ron Kubsch hingewiesen. Der Vortrag kann hier angehört werden:
 

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals auf den Aufsatz Der christliche Glaube hat Gründe des Theologen und Juristen Prof. John Warwick Montgomery hinweisen, der hier gelesen und heruntergeladen werden kann: Glauben und Denken heute (Nr. 4)

Im Zweifel für den Zweifel?

Das Martin Bucer Seminar und L’Abri veranstalten unter dem Motto Im Zweifel für den Zweifel? vom 21. bis zum 25. Juni 2010 eine Studienwoche. Weitere Informationen gibt es hier: Flyer

Wider den Synergismus

Der Synergismus in der Theologie ist die Lehre, dass Gott und Mensch, etwa im Blick auf das Heil oder die Heiligung, “zusammen arbeiten” (griech. syn=zusammen, ergo=ich arbeite). So muss aus dem Blickwinkel des Synergismus beispielsweise Kol 3,5 so verstanden werden, dass der Christ durch Christus gerettet ist und es jetzt bei jedem Christen liegt, die Sünde aus dem eigenen Leben zu vertreiben; frei nach dem Motto: Gott hat seinen Teil getan, jetzt bist Du dran! Cornelius van Til kommentiert dies:

Der Synergismus hält es für erwiesen, dass es zwischen Gott und Mensch keine wahre persönliche Beziehung geben kann, ehe man nicht die Absolutheit Gottes in dem Maße bestreitet, dass man die Freiheit des Menschen aufrechterhalten kann. Der Synergismus setzt voraus, dass ein Mensch nicht wahrhaft persönlich handeln kann, sofern ein solches Handeln unpersönlich ist. D. h. Synergismus bedeutet, dass menschliches Handeln nicht zugleich ein persönliches Handeln Gottes sein kann, wenn auch in einem anderen Sinn. Der Synergismus setzt voraus, entweder nur der Mensch oder [nur] Gott könnte zu einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort persönlich handeln, aber sie könnten dies nicht gleichzeitig am selben Berührungspunkt tun …
A Survey of Christian Epistemology, Bd. 2., S. 68

Letztlich ist doch dann der “Gott-Mensch” Jesus Christus die leibhaftige Widerlegung des Synergismus.

Glauben und Denken 2/2009

Auf dem Weg zum Jahresende präsentiert das Martin Bucer Seminar noch eine Ausgabe von Glauben und Denken heute (GuDh). Darin gibt es u. a. einen erstmals in deutscher Sprache veröffentlichten Text von Francis A. Schaeffer aus dem Jahr 1951, der sich mit der Frage beschäftigt, wie wir zu wahrer Kraft und Freude am Herrn kommen. Schaeffer betont darin, dass man nur zu Kraft und Freude im Glaubensleben durchdingen kann, wenn man sowohl im persönlichen Leben als auch in der Gemeinde nach Reinheit in Lehre und Leben und nach Liebe strebt. So schreibt Schaeffer:

Im zweiten Kapitel der Offenbarung sehen wir wie Christus zu der Gemeinde in Ephesus spricht. Diese Gemeinde war eine arbeitende Gemeinde. Es war eine Gemeinde mit Geduld – Geduld offensichtlich mitten in Verfolgung um Christi willen. Es war eine Gemeinde, die falsche Lehre hasste, und Christus hat sie für all das gelobt, aber es mangelte ihnen an einer Sache: Sie hatten ihre erste Liebe verlassen. Sie hatten ihre Liebe zu Christus verlassen. Keiner von außen konnte das erkennen, aber Christus wusste es. Sie taten all die Dinge, die sie begonnen hatten, weil sie ihn liebten, aber sie taten diese Dinge nicht mehr länger aus einer tiefen Liebe zu Christus. Und der Herr sagte ihnen, wenn sie nicht zu ihrer ersten Liebe zurückkehrten, würde er ihren Leuchter wegnehmen. Das bedeutet, er würde ihr Zeugnis wegnehmen. Es gibt vor Gott nur ein akzeptables letztendliches Motiv – das ist unsere Liebe zu ihm.

Sehr interessant ist auch der Artikel von John Warwick Montgomery, der die Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens mit juristischen Mitteln untersucht. So schreibt er etwa zu der Frage, ob die neutestamentlichen Dokumente als Beweismittel taugen:

Wie gut sind diese Aufzeichnungen des Neuen Testaments? Sie erfüllen auf schöne Weise den Bedarf des Historikers an Verlässlichkeit in der Überlieferung (ihre Texte sind von der Zeit ihrer Niederschrift bis in unsere Tage akkurat überliefert worden), interner Verlässlichkeit (sie beanspruchen, als Dokumente Primärquellen zu sein, und das hört sich wahr an) und externer Verlässlichkeit (ihre Verfasserschaft und ihre Abfassungsdaten werden gestützt durch solche soliden äußeren Zeugnisse, wie das des Autors Papias aus dem frühen zweiten Jahrhundert, einem Schüler des Evangelisten Johannes. Ihm wurde von Johannes berichtet, dass die ersten drei Evangelien tatsächlich von ihren traditionell überlieferten Verfassern geschrieben wurden). Simon Greenleaf von Harvard, die größte Autorität des 19. Jahrhunderts im Beweisrecht in der Welt des Bürgerlichen Rechts, wandte auf diese Aufzeichnungen die „Antike-Dokumente“-Regel an: Antike Dokumente werden als taugliches Beweismittel angenommen, wenn sie „redlich in der äußeren Aufmachung“ sind (d. h. sie bieten keinen inneren Beweis für Manipulation) und in „annehmbarer Aufbewahrung“ erhalten wurden (d. h. ihre Konservierung war vereinbar mit ihrem Inhalt). Er zieht den Schluss, dass die Tauglichkeit der Dokumente des Neuen Testaments von jedem Gerichtshof bestätigt werden würde.

Daneben enthält die aktuelle Ausgabe von Glauben und Denken heute zwei Artikel von Thomas Schirrmacher, einen Bericht über ein neues Studienzentrum des Martin Bucer Seminars und zwei Buchrezensionen.

Hier kann Glauben und Denken heute heruntergeladen werden: GuDh 2/09

Die Absurdität eines kenotischen Christus

Konnte Jesus sich irren? War mit seiner Menschwerdung nicht untrennbar verbunden, dass er auch fehlbar, ja fehlerhaft sein musste? John Warwick Montgomery schreibt dazu:

Der Gedanke, dass Jesus auf menschliche und fehlbare Ideen begrenzt war (die sogenannte Kenotische Theorie(*) der liberalen Theologie) bricht ebenfalls unter seinem eigenen Gewicht zusammen. Nach der kenotischen Argumentation entschied sich entweder Jesus dafür, seine Aussagen den fehlbaren Ideen seiner Zeit anzupassen (in diesem Fall wäre er ein Opportunist, der im Geiste Lenins einen der grundlegendsten aller moralischen Irrtümer beging, nämlich zu erlauben, dass der Zweck die Mittel heiligt); oder er konnte im Prozess der Fleischwerdung selbst Selbstbegrenzung nicht vermeiden (in diesem Fall ist die Fleischwerdung von wenig oder gar keinem Wert für uns, denn es gibt keine Garantie dafür, dass sie irgendetwas Entscheidendes offenbart). Und bemerken Sie, dass, falls eine solch zweifelhafte Fleischwerdung absoluten Weizen mit kulturell relativer Spreu vermischt hätte, wir kein ausreichendes Kriterium haben würden, beides zu trennen, so dass der „absolute“ Teil uns nichts Gutes geben würde! Um das Bedürfnis der Menschen nach unwiderlegbaren Prinzipien der Menschenwürde zu befriedigen, darf ein fleischgewordener Gott nicht mit gespaltener Zunge reden. Im Licht der Unmenschlichkeit des Menschen gegen den Menschen ist das Letzte, was wir brauchen, eine zusätzliche, fehlbare Meinung, selbst wenn sie in göttliches Gewand verkleidet ist.

Und auch die Fußnote ist lesenswert:

(*) Vom griechischen Substantiv kenosis, dessen Verbform (= „sich selbst entleeren/sich selbst von Vorrechten entkleiden“) auf Christus in Phil 2,6–8 angewandt wird. Die biblische Lehre von der Fleischwerdung hat jedoch keine Ähnlichkeit mit der liberalen theologischen Idee von Jesu Fehlbarkeit. Typischerweise entwickelten theologische Liberale die Theorie, um ihren Kuchen (einen göttlichen Jesus) zu haben und ihn auch aufzuessen (gleichzeitige Ablehnung der konservativen Sicht Jesu von biblischer Autorität). … Es ist vielleicht wert, bemerkt zu werden, dass der bekannte Abschnitt in den Evangelien, in dem Jesus sagt, er kenne nicht die Stunde Seines zweiten Kommens (Mk 13,32), keine Bestätigung der Kenotischen Theorie ist, denn (1) geht es hier nur um das Wissen über einen einzelnen eschatologischen Punkt und (2) zeigt die Tatsache, dass Jesus an diesem Punkt das Wissen abstreitet, dass er sich auch in seinem Zustand der Fleischwerdung der Grenzen seines Wissens vollständig bewusst war. Und weil er die Kontrolle über Sein Wissen hatte, hätte er nicht absichtlich oder unabsichtlich falsche oder irreleitende Informationen gegeben, wenn er Zusicherungen machte (z. B. über die Verlässlichkeit der Bibel).

Albert Einstein: Ist Gott böse?

Haben die Jünger den Leichnam von Jesus gestohlen?

Das Grab am Ostermorgen war leer. Nun gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, diese Tatsache zu erklären: Entweder ist Jesus von den Toten auferstanden, oder jemand hat seinen Leichnam gestohlen. Einer der wohl wichtigsten Apologeten unserer Zeit, Prof. Dr. Dr. J. W. Montgomery, äußert sich dazu in einem kleinen Video: www.jwm.christendom.co.uk

Mehr über und von John Warwick Montgomery gibt es hier.