Die schon sprichwörtlich gewordene, biblische Aussage „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, die in 2Mose 21,24; 3Mose 24,20; 5Mose 19,21 und in Matthäus 5,38 zu finden ist, wird oft im Sinne eines „Wie Du mir, so ich Dir“, also im Sinne eines Racheaktes oder eines Heimzahlens verstanden.
Tatsächlich soll mit dem „Auge um Auge“ genau das verhindert werden, denn es geht in diesem biblischen Gebot nicht um Rache, sondern um einen angemessenen Schadensersatz für das Opfer im Falle einer Körperverletzung. So übersetzt Martin Buber etwa 2Mose 21,24 treffender:
Augersatz für Auge, Zahnersatz für Zahn, Handersatz für Hand, Fußersatz für Fuß, …
Gottes Gesetz fordert also seit 3500 Jahren nicht Rache und brutale Vergeltung, sondern Barmherzigkeit und einen angemessenen Schadensersatz für einen Geschädigten, was auch der Herr Jesus Christus in der Bergpredigt gegen das Missverständnis seiner Zeit wieder deutlich heraus stellt!
Insgesamt recht empfehlenswert ist zu diesem Thema auch der entsprechende Wikipedia-Artikel: Auge für Auge
Gerade wenn man die Äußerungen des Apostel Paulus betrachtet, fällt es schwer, in einem Satz klar zu sagen, wie der Christ mit Gottes Geboten umgehen soll. Einerseits sind Christen Sünder, wie alle anderen Menschen. Andererseits erwartet Gott von denen, die zu ihm gehören, dass sie anders leben, als alle anderen. Einerseits sind Christen durch Jesus Christus vom Gesetz befreit. Andererseits sind die Gebote Gottes Maßstab für unser Handeln. Einerseits lebt der Christ aus Gnade und in Liebe. Andererseits soll er gehorchen. Was denn nun? Sind das alles unvereinbare Gegensätze? Und was hat das ganze mit dem Kommen von Jesus Christus zu tun?