Archiv für die Kategorie ‘Römerbrief’

Gedanken zum Römerbrief (2,1–12)

GerechtigkeitEs empfiehlt sich nochmals die Verse 20 bis 32 aus Römer 1 zu lesen. Es ist von Menschen die Rede, die die Erkenntnis Gottes unterdrücken und Gott aus ihrem Leben verdrängen. Gott überlässt diejenigen, die nichts von ihm wissen wollen sich selbst, zu tun, was nicht recht ist. Das sind Menschen voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Zuträger, Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hochmütig, prahlerisch, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam, unvernünftig, treulos, lieblos, unbarmherzig. Sie wissen, dass, die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun (Röm 1,29–32). Jeder, der Werte hat, der eine Moral vertritt, der “christlich” gesinnt ist, wird sofort erkennen, dass das die Anderen sind – die Zucht- und Zügellosen, die Undisziplinierten und Lustorientierten. Gottlose eben! Aber so bin ich ja glücklicherweise nicht! Ich bin doch ein guter Mensch, habe etwas für die Kirche übrig und Gott bedeutet mir viel! Wen im Blick auf “die Anderen” ähnliche Gedanken beschleichen, der sollte die folgenden Worte des Apostel Paulus besonders aufmerksam betrachten: (weiterlesen…)

Gedanken zum Römerbrief (1,20–32)

Das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung im Gericht Gottes – hatte Paulus in den vorhergehenden Versen erklärt. Jetzt führt er aus, dass Gottes Gericht gerecht ist, weil die Menschen Gott – obwohl er sich ihnen zu erkennen gibt – verwerfen, und die Gott gebührende Anbetung in Götzendienst verkehren: (weiterlesen…)

Gedanken zum Römerbrief (1,16–20)

Nachdem Paulus sich in den Versen 7 bis 15 an die römische Gmeinde gewandt und von seinem Wunsch, diese Gemeinde endlich einmal persönlich kennenzulernen, gesprochen hat, kommt er nun zu der Aussage, die nicht nur für die Reformation, sondern für jeden Christen von grundlegender Bedeutung ist (Röm 1,16–20):

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.« Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie keine Entschuldigung haben.

Wer von uns hat sich nicht schon einmal des Evangeliums geschämt? Sei es, das wir unsere Überzeugung nicht klar genug vertreten oder aber ganz geschwiegen haben, um nicht als die “Ewig-Gestrigen” dazustehen, um nicht ausgelacht zuwerden und um anderen Menschen zu gefallen.  (weiterlesen…)

Gedanken zum Römerbrief (1,1-6)

Der zum Apostel berufene und für die Predigt des Evangeliums ausgesonderte Paulus schreibt in den ersten Zeilen seines Briefes an die Gemeinde in Rom:

Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden, zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.

Das Evangelium fiel nicht vom Himmel. Es war nicht in einem Augenblick da, sondern wurde seit Menschengedenken verheißen und zuvor angekündigt. Dieses Evangelium Gottes war auch keine Erfindung der Propheten, die es verkündigten, sondern wurde von Gott durch sie verkündigt. Träger und Bewahrer dieser Verkündigung war nicht nur das gesprochene Wort, sondern das geschriebene – in heiligen Schriften (dem Alten Testament)! Wer es hören wollte, musste es lesen (oder vorgelesen bekommen). Das Evangelium kam (und kommt) nicht unmittelbar in einer Empfindung oder einem Eindruck, sondern über das Wort zu uns. Doch worum geht es in diesem Wort, diesem Evangelium – dieser guten Nachricht? (weiterlesen…)

Einleitende Anmerkungen zum Römerbrief

Rom zur Zeit des Paulus

Augustus (Quelle: Wikipedia)Kaiser Octavian erhielt 27 v. Chr. vom röm. Senat den Ehrennahme Augustus („der Erhabene“). Nach und nach wurden ihm die wichtigsten Kompetenzen im röm. Reich übertragen. Mit ihm wird Rom zum Zentrum des Kaiserreiches. Die gesamte damalige Welt sollte unter seiner Herrschaft geeint werden. Der „Pax Romana“ (röm. Frieden) wird zum Inbegriff einer politischen Erlösungshoffnung. (weiterlesen…)

Gedanken zur Einleitung in den Römerbrief

Luther sah den Römerbrief als das rechte Hauptstück des christlichen Glaubens. In seiner Vorrede zum Römerbrief schreibt er:
„Dieser Brief ist das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium, welcher wohl würdig und wert ist, dass ihn ein Christenmensch nicht allein Wort für Wort auswendig wisse, sondern täglich damit umgehe als mit einem täglichen Brot für die Seele; denn er kann nimmer zu viel und zu gründlich gelesen oder betrachtet werden. Und je mehr er behandelt wird, desto kostbarer wird er und umso besser schmeckt er.“18
Ohne Zweifel fand und findet der Römerbrief aufgrund seiner allgemeinen Formulierung besondere Beachtung unter Christen. Dennoch erscheint die These, dass es sich bei diesem Brief des Apostels um dessen Dogmatik handle, als überzogen, da dem Text etwas untergeschoben würde, was er von sich aus nicht hergibt. Der Knecht Christi, Paulus, schreibt einen Brief an „alle Geliebten Gottes, berufenen Heiligen in Rom“, und eben keine Dogmatik. Man ging und geht weitestgehend davon aus, dass Paulus die Gemeinde in Rom nicht, oder nur sehr wenig, kannte. Daraus wird gefolgert, er wolle ihnen das Evangelium ganz allgemein verkünden. Diese Annahme erscheint zwar plausibel, dennoch kritikwürdig. Paulus selbst macht im 15. Kapitel deutlich, dass dies eben nicht der Grund für seinen Brief war. Die Gemeinde in Rom kannte das Evangelium und war bereits „erfüllt mit aller Erkenntnis“19. Sie war von Leuten wie Pricilla und Aquila und anderen überaus bewährten Mitarbeitern20 darin unterwiesen! Die Annahme Paulus würde ihnen nun noch mal alles von Anfang an verkündigen erscheint daher seltsam. Die Möglichkeit, dass Paulus die konkrete Situation und auch Probleme der Gemeinde kannte und in diesem Brief darauf eingeht, ist dagegen möglich. Nygren meint nun, dass Paulus mit diesem Brief die Gemeinde in Rom auf sein Kommen vorbereiten will. Er geht daher in nicht auf die konkreten Problem der Gemeinde in Rom ein, sondern schildert hier sein eigenes „Lebensproblem“. „An die Stelle einer Auseinandersetzung mit Gegnern tritt die Auseinandersetzung des Paulus mit sich selbst, mit seiner Vergangenheit, denn auch er war einmal den Heilsweg des Gesetzes gegangen.“21 Dann wäre aber zu klären, warum ein Brief mit einem solch persönlichen Thema, einen solch allgemeinen Charakter hat. Wie dem auch sei, Gott sei Dank ist der Brief in seiner Art so gut aus sich selbst heraus verständlich, so systematisch aufgebaut, und so präzise strukturiert, dass es für dessen Verständnis ausreicht, sich mit dem vorliegenden Text zu begnügen.

Martin Luther betrachtete den Römerbrief als das rechte Hauptstück des christlichen Glaubens und ein Christ, der in der Nachfolge lebt, sollte ihn nicht nur Wort für Wort auswendig kennen, sondern sich auch täglich damit beschäftigen. So schrieb er in seiner Vorrede zum Römerbrief:

Dieser Brief ist das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium, welcher wohl würdig und wert ist, dass ihn ein Christenmensch nicht allein Wort für Wort auswendig wisse, sondern täglich damit umgehe als mit einem täglichen Brot für die Seele; denn er kann nimmer zu viel und zu gründlich gelesen oder betrachtet werden. Und je mehr er behandelt wird, desto kostbarer wird er und umso besser schmeckt er.

Das ist Grund genug sich auch an dieser Stelle einmal mit diesem Brief zu beschäftigen. Denn auch wenn Luthers Äußerung für uns wohl etwas übertrieben anmutet, liegt in ihr doch ein wahrer Kern: (weiterlesen…)