Einstieg in Accordance

Die Deutsche Bibelgesellschaft bietet seit einiger Zeit die Züricher Bibel als Accordance Modul an. Das Paket für 38 Euro enthält aber nicht nur die Bibelübersetzung, sondern auch die vollständige Software Accordance 8.2 (die sich kostenlos auf die aktuellste Version updaten lässt). Damit erhält man ein günstiges Einstiegspaket in die Accordance-Welt, das sich nach den eigenen Bedürfnissen mit kostenlosen und kostenpflichtigen Modulen erweitern lässt.

Schade finde ich, dass es nur recht wenige deutschsprachige Module und Texte für Accordance gibt. So habe ich angefangen, eigene deutschsprachige Benutzerwerkzeuge zu erstellen und möchte hier zwei zum Download zur Verfügung stellen (weitere, umfangreichere sind in Arbeit):

Die Benutzerwerkzeuge können einfach in den Ordner für die User-Tools (meist: Dokumente > Accordance Files > User Tools) kopiert und dann in Accordance über die Benutzerwerkzeuge genutzt werden.

Übrigens lässt sich Accordance auch auf einem PC betreiben. Mehr dazu hier.

Christen verbrennen keinen Koran

Armes Florida! Wo vor gut 550 Jahren Hugenotten vergeblich eine neue Heimat suchten, ist nun eine „Gemeinde“ auf eine ganz und gar unchristliche Idee gekommen: Sie wollen öffentlich einen Koran verbrennen. (Mehr dazu auf dem Blog von Ron Kubsch.)

Die Weltweite Evangelische Allianz hat sich erfreulicherweise schnell gegen diese Aktion ausgesprochen. In den Medien lauten die Schlagzeilen „Christen wollen Koran verbrennen“. Meines Erachtens kann es sich aus zwei Gründen hierbei nicht um Christen bzw. nur um Leute, die Christus mit ihrer Tat verleugnen, handeln:

  1. Diese Gruppe handelt gegen das Gebot, die Glaubensgeschwister zu lieben (vgl. 1Joh 2,10; 4,20), indem sie durch ihre sinnlose und unbedachte Aktion Christen in muslimischen Ländern in Gefahr und den christlichen Glauben in Verruf bringt.
  2. Diese Gruppe handelt gegen das Gebot, selbst die zu lieben, die man als Feinde betrachtet (vgl. Mt 5,44; 1Petr 3,9, hier). Martin Luther hat seiner Zeit den Koran kritisiert, doch er verbrannte ihn nicht, sondern sorgte dafür, dass 1543 eine Neuübersetzung des Korans erscheinen konnte, zu der er das Vorwort schrieb!

Es bleibt zu hoffen, dass diese böse Tat verhindert werden kann und dass diese Gruppe zur Buße findet: Denn Christen verbrennen keinen Koran!

Um wen geht es in der Bibel?

Zu dieser wichtigen Frage hat Daniel Dangendorf auf ein sehr gutes Video hingewiesen, das auf seinem Blog angesehen werden kann: Theologia et Musica

Das Kreuz ist das Tor zum Himmel

Das Kreuz ist wohl das am meisten gebrauchte Symbol für den christlichen Glauben  – und das aus gutem Grund: Während bis heute, auch und gerade religiöse Menschen, das Kreuz (beziehungsweise den gekreuzigten Christus) als ein abstoßendes Ärgernis empfinden (siehe auch 1Kor 1,23; Gal 5,11), war und ist es für Christen das Tor zum Himmel. Im Lukasevangelium wird uns berichtet, dass der Vorhang im Tempel, der ein Bild für den Zugang zu Gott ist, bei der Kreuzigung Jesu zerriss (Lk 23,44–46). Im Hebräerbrief wird erläutert, dass der (alttestamentliche) Tempel ein „irdisches“ Abbild „himmlischer“ Dinge ist (vergleiche dazu Hebr 8,5 und 9,24). In Hebr 10,20 wird dieser Vorhang mit dem Leib Jesu gleichgesetzt: Der gekreuzigte Christus eröffnet den Zugang zu Gott, und wer durch das Opfer Christi am Kreuz mit Gott versöhnt ist, kann freimütig vor Gott treten.

So steht beispielsweise auch in dem Siegel, das Martin Luther ab 1530 für seine Briefe verwendete, das Kreuz im Mittelpunkt, und von dort aus entfaltet sich das ganze Christenleben. In einem Brief vom 8. Juli 1530 schrieb Luther an Lazarus Spengler, dieses Siegel, die so genannte Lutherrose, sei

„ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erst sollt ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seinenatürliche Farbe hätte, damit ich mir selbs Erinnerung gäbe, daß der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Ob’s nun wohl ein schwarz Kreuz ist, mortifizieret und soll auch wehe tun, dennoch läßt es das Herz in seiner Farbe, verderbt die Natur nicht, das ist, es tötet nicht, sondern erhält lebendig … Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rosen stehen, anzuzeigen, daß der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, daß solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig, jetzt wohl schon drinnen begriffen und durch Hoffnung gefasset, aber noch nicht offenbar. Und in solch Feld einen goldenen Ring, daß solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“

Zitiert nach Wikipedia.

Klarheit der Heiligen Schrift oder neuzeitliche Subjektivität

Einst fragte ein Student den alten Karl Barth, wann man denn seine Kirchliche Dogmatik verstanden habe und bekam zur Antwort: „Ver-standen haben Sie sie erst dann, wenn Sie dort stehen, wo sie entstanden ist.“ Das Verstehen ist demnach nicht unabhängig vom eigenen Standort. Mehr noch: Die je eigene Verortung bestimmt auch, was sich von der Umgebung dem Blick des Beobachters öffnet, welche Horizonte ihm sichtbar werden: Die Frage nach den Offensichtlichkeiten, den Evidenzen deutet sich an.

Szenenwechsel zu einer anderen Standortbestimmung: Unter Lebensgefahr zu seiner Theologie befragt, ruft Luther auf dem Reichstag zu Worms aus: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ An welchem Ort befindet sich Luther hier? Was ist es, das ihm den Ortswechsel „nach Rom“ unmöglich macht? Die theologiegeschichtliche Vereinnahmungsmaschinerie des Neuprotestantismus hat hier rasch und diskret entschieden und durch ihre Verortung mit einem Streich – gleichsam in einem Akt intelligibler Landnahme – einen erheblichen Raumgewinn für sich erzielen können. Indem sie Luthers Gewissensreservat in Worms als einen heroischen Akt neuzeitlicher Subjektivität gegen das Auslegungsprimat der kirchlichen Tradition deutete, konnte sie das ganze Reich der Reformation zu ihrer Einflusssphäre erklären.

Doch ist das wirklich der Ort, an dem Luther steht? Ist das Vertrauen auf die eigene theologische Urteilskraft, die Überzeugung, den Text besser ausgelegt zu haben als die gesamte theologische Tradition vor ihm der Auslöser, der „Ort“ der Gewissheit des Reformators? Gute Gründe sprechen dafür. Der entscheidende Satz in Worms lautet: „Es sei denn, dass ich durch Zugnisse der Schrift oder durch klare Gründe der Vernunft [kursiv, MK] überführt werde …, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten Schriftstellen und ist mein Gewissen gefangen in Gottes Wort.“ Wenn auch der Rekurs auf das Wort Gottes als Argumentationsgrund numerisch deutlich überwiegt, so ist doch die Deutung Ecks mehr als nachvollziehbar, wenn er Luther im Anschluss an die Leipziger Disputation genau das vorwirft, was ihm die liberale Theologie später als das große Verdienst anrechnen wird: „Das klingt nicht gut unter Christen, dass einer sich anmaßt, rein aus eigenem Verstand den Sinn der Heiligen Schrift besser zu kennen als die heiligen Väter miteinander.“ Entscheidend ist nun aber, dass sich Luther in dieser Situationsbeschreibung Ecks nicht recht wiedergegeben fühlt, denn nicht auf die Auslegung „nach eigener Vernunft“ kommt es ihm an, sondern: „Wo ich einen klaren Text [kursiv, MK] hätte, würde ich dabei bleiben, auch wenn die Auslegung der Väter dagegen stünde.“

Der Anhaltspunkt der Gewissheit ist für Luther nicht die eigene Subjektivität bzw. deren Auslegungskraft, sondern der „klare Text“ der Schrift. Nicht das bildet die Grundlage eines Standpunktes, was sich vor der Vernunft als anschlussfähig an bisherige Erkenntnis, als analogiefähig erweist, sondern die Heilige Schrift selbst ist die Grundlage, ist der Ort des Stehens und Ver-stehens, der Ort des Evidenten und der Klarheit, weil sie mich klärt, d. h. mich mir in ihrem Licht erst zu erkennen gibt. Sie leuchtet mir ein, indem sie mich erleuchtet.

Der Vernunft ist hier ein rezeptiv-vernehmendes Organ, sie vernimmt das im Text Gemeinte, will Fenster sein, durch welches das Licht des biblischen Wortes das menschliche Bewusstsein durchflutet. Die Rede vom „eigenen“ Verstand, also gerade der Rückzug auf die individuelle Subjektivität würde verdunkeln worum es Luther geht: Der Text ist hell, nicht die menschliche Vernunft!

Ein solcher Grundsatz, wie ihn Luther in Worms vertrat, wirkte damals wie heute in höchstem Maße sperrig und befremdlich und verdient nähere Untersuchung …

Diese Zeilen stammen aus dem ausgezeichneten Buch Martin Luther als Ausleger der Heiligen Schrift von Mathias Kürschner. Diese Büchlein bietet auf nur 60 Seiten und für nur 5 Euro (inkl. Versand) einen wertvollen Beitrag zum Thema Schriftverständnis und Bibelauslegung. Ich kann es nur sehr empfehlen – insbesondere, da dieses Schriftverständnis (gerade unter Evangelikalen) heute weitgehend verloren bzw. unbekannt ist und so vieles im Dunkeln liegt!

Luther – Calvin – Melanchton

Wer einmal einen Einblick in das theologische Denken der bekanntesten Reformatoren bekommen und ungern viel lesen möchte, der hat mit diesem recht gelungenen Hörbuch die Gelegenheit dazu:

Martin Luther, Johannes Calvin und Philipp Melanchthon sind drei der wichtigsten Reformatoren. In diesem Hörbuch werden sie jeweils mit einer zentralen theologischen Schrift porträtiert. Die Texte werden umfassend erläutert und in ihren problemgeschichtlichen Kontext gestellt. Der Hörer erhält damit einen Einblick in die zentralen theologischen Fragen und Probleme reformatorischen Denkens.Mit Martin Luther, Johannes Calvin und Philipp Melanchthon werden in diesem Hörbuch drei der wichtigsten Reformatoren anhand ihrer zentralen Schriften porträtiert. Die vorgestellten Texte haben die Entwicklung des theologischen Denkens entscheidend mitbestimmt und gehören deshalb zu den Schlüsselwerken der protestantischen Theologiegeschichte. Ihre Kenntnis ist darüber hinaus auch für das Verständnis der gegenwärtigen theologischen Debatten unerlässlich.

Jede der drei vorgestellten Schriften (Luther: De servo arbitrio / Calvin: Institutio Christianae Religionis / Melanchthon: Loci communes) wird umfassend kommentiert und erläutert: Die Autoren stellen die Texte in ihren jeweiligen problemgeschichtlichen Kontext, erörtern die Stellung des Werkes in der Entwicklung des Autors, informieren über Inhalt und Aufbau der Schrift und beleuchten dessen Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte.

Mehr dazu bei Amazon.

Sünde ernst nehmen

In einer kleinen Andacht ermutigt Joachim Bär dazu, Sünde ernst zu nehmen:

Erst der Blick auf die dunkle Seite der Medaille lässt die helle Seite so recht erstrahlen. Und nur beide Seiten liefern das ganze Bild. Wer nicht verstanden hat, wie verloren er ist, wird die Gnade nicht recht wertschätzen können. Wer die weitrechenden Auswirkungen von Sünde nicht im Blick hat, wird weiter rational damit umgehen. Wer nicht begriffen hat, wie umfassend und tödlich Sünde ist, wird immer noch meinen, gar nicht so schlecht dazustehen.

Von Zeit zu Zeit scheint es notwendig, die strahlend schöne Medaille der Gnade und Errettung umzudrehen und vor der Ernsthaftigkeit der Lage zu erschrecken. Nicht, um sich selbst zu zerknirschen oder als Pessimist der Nation in die Geschichte einzugehen. Wohl aber, um neu nachvollziehen zu können, was Jesus für uns Menschen bewirkt hat. Nur dann kann sich wirkliche Dankbarkeit breitmachen. Nur dann wissen wir, wie nötig wir auch heute Gottes Gnade haben. Nur dann können wir wirklich gnädig mit unseren Mitmenschen umgehen.

Der ganze Beitrag kann hier nachgelesen werden: ERF

Wilhelm Schickard

Tübingen ist eine der schönsten Städte Deutschlands – wie ich finde. In Tübingen studierte einst Philipp Melanchthon. Einige Jahrzehnte nach ihm lebte und lehrte dort Wilhelm Schickard. Auch wenn heute Wissenschaftler wie Richard Dawkins behaupten, Glaube und Wissenschaft seien unvereinbar, so beweisen Leute wie Schickard eindeutig das Gegenteil.

Wilhelm Schickard (1592–1632) war nicht nur lutherischer Pfarrer und Dozent für Hebräisch, sondern auch begeisterter Astronom und Mathematiker. Für seinen Freund Johannes Kepler, mit dem er seine Leidenschaft für Wissenschaft genauso teilte wie seinen Glauben, erfand er unter anderem eine Rechenmaschine (die Abbildung zeigt eine Originalzeichnung von Schickard), die Kepler bei seinen astronomischen Berechnungen helfen sollte.

Damit baute Schickard die erste funktionierende Rechenmaschine und legte so, wie Michael R. Williams in seinem Buch History of Computing Technology bemerkt, einen wichtigen Grundstein für die Erfindung des Computers!

Ein Nachbau der Rechenmaschine von Schickard kann im Stadtmuseum von Tübingen bewundert werden. Hier findet sich eine Abbildung dieses Nachbaus.

Übrigens erfand ein anderer Christ und berühmter Mathematiker wenige Jahre nach Schickard und ohne von diesem direkt beeinflusst worden zu sein, eine weitere Rechenmaschine. Sein Name war Blaise Pascal.

Don Quijote und der Fundamentalist

Wer meint, dass die Abenteuer des Don Quijote schon vor langer Zeit ein Ende gefunden haben, der irrt. Denn in immer neuen Gestalten rüstet er sich und sein altes, dürres Reittier und zieht durch die Lande auf der Suche nach neuen Abenteuern.

Diesmal, so scheint es mir, hat er sich in die Gestalt des Journalisten gekleidet und reitet auf Halbwahrheiten und undifferenzierten Darstellungen durchs Land. Der Feind lauert, wie üblich, hinter der nächsten Ecke, genauer in der nächsten Kirche. Denn, so meint unser tragischer Held, jeder (evangelikale) Christ, der die Bibel ernst oder gar wörtlich nimmt – also ein Fundamentalist, sei eine Bedrohung für unsere freie und demokratische Gesellschaft, und schnell hat unser kampfeslustiger Krieger Gemeinsamkeiten zwischen bibelgläubigen Christen und militanten Terroristen ausgemacht. Terrorist und Fundamentalist reimt sich ja auch!

Wie man auf diese Assoziationen kommt und warum Christen, die die Bibel ernst nehmen, gefährlich sein sollen, ist mir allerdings nach wie vor schleierhaft. Vielleicht hätte unser wagemutiger Reiter, neben seiner Lieblingsliteratur, auch hier und da einen Blick über den Tellerrand wagen sollen. Dann wäre ihm sicher nicht entgangen, dass die dunkelsten Kapitel der Kirchengeschichte gerade die waren, wo die Bibel unbekannt war und ihr Inhalt geheim gehalten wurde und dass gerade dort, wo man zur biblischen Botschaft zurückkehrte (etwa in der Reformation) tiefgreifende und befreiende Veränderungen auszumachen sind: Martin Luther vor dem Reichstag zu Worms ist wohl das berühmteste Beispiel dafür. Ein Mann, der aufgrund seines biblischen Glaubens wagt, sich gegen die Mächtigen seiner Zeit zu stellen und die Gesellschaft von einem erdrückenden Glauben befreite. Doch dies ist nur ein Beispiel für die endlose Zahl derer, die durch das Lesen oder Hören der biblischen Botschaft zu einem befreiten Leben fanden, in dem sie sich nicht selten für andere aufopferten, ihnen dienten und sogar bereit waren ihren Peinigern zu vergeben und die Kraft fanden Schweres zu (er)tragen.

Jesus Christus selbst, als Vorbild all derer, die ihm folgen, wurde unschuldig hingerichtet und bat dennoch um Vergebung für seine Peiniger. Sein Leben und sein Dienst waren durchzogen von Liebe und Aufopferung für andere – und das alles als einer, der gekommen war, die Bibel zu erfüllen (Mt 5,17–20; Joh 5,39). Seinen Jüngern verbot er Gewalt im Einsatz für ihn (Joh 18,11) und rügte sie, wo sie dem Wort der Bibel nicht vertrauten (Lk 24,13ff.). Derjenige, der Jesus nachfolgt, ist keine Gefahr, sondern eine Bereicherung für die Gesellschaft, weil er bestrebt ist, hingebungsvoll seinem Nächsten in Liebe zu dienen: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (1Tim 1,5)

So zieht unser Don Quijote wieder einmal gegen ein Phantom zu Felde und richtet viel unnötigen Schaden an. Doch noch tragischer als seine Gestalt, erscheinen mir jene, die zwar Christen sein wollen, doch dem Wort ihres Herrn dennoch nicht vertrauen!

Roboter: Freund oder Feind?

Man mag die erste von einem Roboter vollzogene Trauung noch als einen Gag abtun, doch sicher scheint: Roboter werden uns in Zukunft immer häufiger im täglichen Leben bis in die intimste Privatsphäre begegnen. So gibt es bereits seit geraumer Zeit Roboter, die an die Stelle des Haustiers treten. Neu ist eine Erfindung von Stefan Ulrich, die den „Kuschelpartner“ ersetzen soll.

Der Begriff „Roboter“ stammt von Josef Čapek und bedeutet ursprünglich „Fron-“ oder „Zwangsarbeit“. Čapeks Bruder Karel ließ 1921 in seinem Drama Rossum’s Universal Robots humanoide Roboter auf die Bühne treten, die erst ihrem Schöpfer zur Hand gehen sollten, später aber die Menschheit vernichteten. Einem breiteren Publikum wurden Roboter dann vor allem in den 1940er und 1950er Jahren durch den Science-Fiction Schriftsteller Isaac Asimov und seine Robotergesetze bekannt:

  1. Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
  2. Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
  3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

Diese Gesetze wurden dann 1950 in Asimovs Roman Ich, der Robot thematisiert.

Der Gedanke, Roboter zu konstruieren, die uns bei schwierigen und gefährlichen Aufgaben helfen, Menschen schützen und bewahren und stets unter der Kontrolle des Menschen bleiben, Roboter also, die letztlich nicht anders agieren als ein Toaster, ist sicherlich begrüßenswert. Und: Die Robotik ist ein faszinierendes Gebiet – unter anderem deswegen, weil es zeigt, wie komplex und einzigartig der Mensch ist und wie schwer es ist, etwas zu konstruieren, das auf zwei Beinen laufen oder sensibel zugreifen kann.

Doch ist die in Asimovs Gesetzen genannte Grenze etwa bei dem oben erwähnten „Kuschelroboter“ nicht längst überschritten und der Roboter zum Ersatz für das menschliche Gegenüber geworden? Soll hier eine Hilfe oder ein Gegenüber geschaffen werden?

In der Tatsache, dass Gott in Jesus Christus Mensch wurde ist Gottes Ja zum Menschen, so wie er ist, ausgesprochen und sein Nein zu jedem Versuch, eine Art Über- oder Nebenmenschen schaffen zu wollen.

PS: Hier noch ein kleiner Einblick in eine Thematik, die in Zukunft auch die christliche Ethik beschäftigen könnte: Sind Roboter schuldfähig?